Oldenburg Am Freitag wurde bekannt, dass Deborah Lipstadt (70) die Preisträgerin des Carl-von-Ossietzky-Preises 2018 der Stadt Oldenburg ist. Der Preis ist für den Bereich „Zeitgeschichte und Politik“ ausgeschrieben. Er ist mit 10 000 Euro dotiert und wird der in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia lebenden Historikerin aufgrund des einstimmigen Votums einer Jury am 4. Mai bei einem Festakt in Oldenburg von Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) überreicht. Die Laudatio hält dann der Fernsehjournalist Thomas Roth (66), ehemaliger Leiter des ARD-Studios New York und „Tagesthemen“-Moderator.

Deborah Esther Lipstadt wurde am 18. März 1947 als Tochter einer jüdischen Einwandererfamilie geboren. Ihre Mutter stammt aus Kanada, der Vater wanderte in den 20er Jahren aus Deutschland in die USA ein. Lipstadt studierte in New York und wurde 1976 in Massachusetts mit einer Arbeit über Louis Lipsky promoviert. Nach Lehraufträgen für Geschichte und Religion an den Universitäten in Los Angeles und Washington ist sie seit 1993 Professorin für Moderne Jüdische Geschichte und Holocaust-Studien in Atlanta. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Holocaust-Forscherinnen.

Für Aufsehen sorgte in den Jahren 1996 bis 2000 ihr gewonnener Rechtsstreit mit dem Holocaust-Leugner David Irving (79). 2016 wurde der spektakuläre Gerichtsprozess in einer international erfolgreichen amerikanisch-britischen Kinoproduktion verfilmt.

„Verleugnung“ (Originaltitel: Denial) zeigt in der Hauptrollen Rachel Weisz, daneben Tom Wilkinson und Timothy Spall. Der Film hatte seine Premiere beim Toronto International Film-Festival im September 2016. In den deutschen Kinos startete er im April 2017. Man versucht, den Film im Rahmen der Preisverleihung in Oldenburg zu zeigen.

Jury-Sprecherin Sabine Doering, Germanistikprofessorin an der Uni Oldenburg, zeigt sich am Freitag „sehr glücklich“ über die neue Preisträgerin und auch die Aktualität: „Neben dem Holocaust-Thema engagiert sich Deborah Lipstadt gegen sogenannte Fake-News. Sie sagt: Fakten zählen, die Wahrheit ist wichtig!“ Sabine Doering betont, dass das Auftreten von Deborah Lipstadt gegen öffentlich verbreitete Lügen und Unwahrheiten ein „ermutigendes Beispiel von Zivilcourage“ sei.

Der Carl-von-Ossietzky-Preis wird alle zwei Jahre am 4. Mai, dem Todestag des Friedensnobelpreisträgers Carl von Ossietzky (1889– 1938), von der Stadt Oldenburg verliehen. Letzter Preisträger war 2016 der Publizist Ahmad Mansour.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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