Oldenburg Die Bilder von Renate Mumm haben es in sich. Auf den ersten Blick erscheinen sie von verblüffender Einfachheit, oft ein hoher blauer Himmel, darunter in einem anderen Blau ein weiter Meeresblick mit einer Reihe von weißen Dreiecken, die sich nur durch einen vertikalen oder horizontalen Farbstreifen unterscheiden.

Wer sich einen zweiten Blick gönnt, sieht in der Wasserfläche minimale Erhebungen, die von einem gespachtelten Farbauftrag rühren. Leichter Glanz hat sich über der Bildfläche ausgebreitet, die Folge eines Lasurauftrags auf der Spachtelschicht. Darüber hat die Künstlerin dann noch einmal eine hauchfeine Aquarellschicht gesetzt.

Malen, das wird an dieser Technik deutlich, bedeutet der Künstlerin Renate Mumm nicht primär, irgendwelche Realität nachzuzeichnen, sondern ist vor allem der Umgang mit Farben und die Art diverser Auftragsweisen. Das kann zu bemerkenswerten Widersprüchen führen, die aber Mumms Malerei gerade lebhaft machen.

Das Bild „Kieler Woche“ zeigt ein dicht in den Vordergrund gezogenes Segelboot mit Besatzung, die vor dem seitlich angreifenden Wind Mühe hat, das Boot zu halten, eine für diese Ausstellung ungewöhnlich dynamisches Bild, nicht zuletzt, weil eine Menge weißer Schaum der Wellen am Rumpf des Bootes hochgepeitscht wird. Um diesen Schaum kräftig erscheinen zu lassen, hat Renate Mumm die weiße Farbe mit Sand vermischt, in der Realität an dieser Stelle völlig unwirklich, aber als Mittel intensivierter Darstellung ein Kunstgriff.

Eine ungewöhnliche Ansicht wählt Renate Mumm für das Motiv „Yachthafen“ – ein Blick aus der Vogelperspektive mit der Konsequenz, dass das Motiv nebeneinander schaukelnder, von oben gesehener Boote auch andere Deutungen zu erlauben scheint.

Mit „Baku“ und „Bilbao“ greift die Künstlerin attraktive Stadtthemen auf. Aber sie beschränkt sich im ersten Beispiel auf eine stark vereinfachte Landschaftsansicht mit zwei kegelartigen Bergen und einer Flussbiegung. Für Bilbao steht die kurvige Außenfront des berühmten Museums, eingebettet in geome­trische Flächen. Erneut genügt der Malerin ein sperriges Detail als Ausdruck für das Ganze.

Menschen gibt es am Strand und auf dem Boot im Wettkampf, vermutlich auch in den dänischen Häuserzeilen, die Renate Mumm einmal in gelbbraunem Ton, das zweite Mal in Grauschwarz und das dritte Mal nur in Konturen wiedergegeben hat – zuletzt als „Häuser transparent“. Die Bilder sind ein weiterer Beleg dafür, dass das Wie der Darstellung die Künstlerin mehr als das Was interessiert hat.

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