Oldenburg Ob als Gefährt des Weihnachtsmanns, romantisches Fortbewegungsmittel im tief verschneiten Winterwald, Protagonist eines jeden Rodelvergnügens oder Präzisionsgerät des Wintersports: Der Schlitten ist zwischen November und Februar das allgegenwärtige Symbol für Winterspaß und Weihnachtszauber. Als ältestes Transportmittel der Menschheit blickt der Schlitten aber auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück und ist insofern ein Spiegel kulturgeschichtlicher Ausprägungen und gesellschaftspolitischer Entwicklungen.

Im Rahmen der Kabinettschau „Alles sieht so festlich aus! Weihnachten in Oldenburg damals und heute“, die im Landesmuseum bis 6. Januar 2019 zu sehen ist, kann ein besonders charmantes Exponat bewundert werden: Der historische Kinderschlitten zum Schieben, der um 1850 in Esens im ostfriesischen Landkreis Wittmund gefertigt wurde und 1938 als Geschenk aus Oldenburger Privatbesitz in die Sammlungen des Landesmuseums gelangte, zählt zweifellos zu den Highlights der Ausstellung.

Er stammt aus der Übergangszeit vom Biedermeier zur Gründerzeit und war ein Aushängeschild großbürgerlichen Kultur- und Familienlebens. Der Kinderschlitten ist an die repräsentativen Pferdeschlitten der europäischen Fürstenhöfe angelehnt, ist jedoch wesentlich kleiner und einfacher gearbeitet. Außen ist der aus Holz gefertigte Schlitten in leuchtendem Rot gestrichen und mit weißen umlaufenden Schmucklinien verziert, der Innenraum ist in helles Grün gefasst. Die Inventaraufzeichnungen des Landesmuseums überliefern, dass die farbige Gestaltung ursprünglich gespiegelt war, also „innen zinnoberrot und aussen dunkelgrün“.

Weshalb und wann der Schlitten umgestaltet wurde, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Die unten mit Eisen behauenen Kufen sind vorne hochgezogen und vereinen sich zu einem Schwanenkopf – eine weitere Reminiszenz an die sogenannten Prunkschlitten des Adels, auf deren Kufenspitzen oft die majestätischen Häupter von Schwänen, Adlern, Löwen oder Drachen thronen. Das für zwei jüngere, sich gegenübersitzende Kinder konzipierte Fahrzeug diente dem betuchten Bürgertum in verschneiten Wintertagen als Ersatz für den Kinderwagen. In der Regel wurden diese Kinderschlitten vom Hauspersonal geschoben, während die Kinder in warme Pelze und Decken gehüllt die Fahrt genießen konnten.

Der Kinderschlitten aus Esens ist nun erstmalig im Landesmuseum Oldenburg zu sehen und konnte im Zuge der systematischen Revision der Sammlungsbestände als Schatz neu gehoben werden.

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