Oldenburg 1962 erwarb das Landesmuseum Oldenburg Emil Noldes „Stillleben mit Reiterfigur“ von der Zürcher Galerie Nathan und konnte damit seine Sammlung klassischer Moderne um ein Werk des bedeutenden deutschen Expressionisten erweitern.

Ab 1910/11 widmete sich Emil Nolde (1867–1956) den kulturellen Zeugnissen und künstlerischen Formensprachen archaischer Volks- und Hochkulturen aus Afrika, Asien, Ozeanien sowie Nord- und Südamerika. Wiederholt besuchte er das Berliner Völkerkundemuseum und andere ethnografische Sammlungen und fertigte eine Fülle von Zeichnungen, aus denen er in der Folgezeit expressive, grotesk wirkende Figurenstillleben komponierte, in denen außereuropäische Formensprachen auf Positionen europäischer Malerei prallen.

Das Spektrum seiner Motive erweiterte Nolde durch Objekte aus seiner Privatsammlung, die er ab 1910 anlegte und die neben exotischen Artefakten auch Kunstgewerbearbeiten aus ganz Europa beinhaltete. Ab 1915 begann er, diese Figurenstillleben mit Blüten und Blumen zu einem Wechselspiel von Kultur und Natur zu kombinieren. Das 1919 entstandene „Stillleben mit Reiterfigur“ ist als klassische Dreieckskomposition angelegt, deren Mittel- und Höhepunkt eine weiße, teilweise farbig gestaltete Reiterfigur auf einem Podest bildet.

Modell für diese Darstellung stand eine Fayence aus der Privatsammlung Noldes, die der Künstler detailgetreu in sein Bild übertragen hat. Die überwiegend weiße Figur besteht aus glasierter, in Teilen bemalter Keramik und zeigt einen Offizier in historischem Uniformrock mit Schärpe und einem Dreispitz mit buntem Federbusch auf einem weißen Pferd sitzend. Das feine Figürchen wirkt durch seine Inszenierung wie ein herrschaftliches Reiterstandbild. Dagegen betont das Podest aber auch den Objektcharakter der Reiterfigur und adelt sie zum musealen Ausstellungsstück. Zu beiden Seiten wurden üppige, exotisch anmutende rote Blüten mit gelbem Stempel drapiert – am linken Bildrand fünf Blumen in einer schlichten Vase, rechts eine einzelne, kunstvoll in Szene gesetzte Blüte.

Es handelt sich hierbei vermutlich um rote „Orchideenblütige Dahlien“ (Dahlia Honka Red), die ursprünglich aus Mexiko und Guatemala stammen. Angeordnet ist das friedvolle Arrangement auf einem weißen Tischtuch. Auffallend ist das Spiel mit der Farbwirkung, die sich durch starke Kontraste und ein magisches Leuchten auszeichnet.

Der jüdische Kunstsammler Alfred Hess (1879–1931) aus Erfurt hatte das „Stillleben mit Reiterfigur“ erworben und seiner Frau Tekla und Sohn Hans vererbt. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten veranlasste Tekla Hess bald dazu, viele Werke außer Landes zu schaffen. Es gelang ihr, das Stillleben an das Carnegie Museum of Art in Pittsburgh (USA) zu verleihen, wo es bis 1953 verwahrt wurde. Über New Yorker Galerien und die Zürcher Galerie Nathan gelangte das Gemälde nach Oldenburg.

Noldes Bild ist noch bis zum 19. August in der Ausstellung „Exotische Pflanzen“ im Augusteum zu sehen.

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