Oldenburg /Ahrenshoop Er wird immer mit der Künstlerkolonie Ahrenshoop an der Ostsee in Verbindung gebracht, dabei hat der Maler Paul Müller-Kaempff (1861 bis 1941) Wurzeln in Oldenburg. Vor zwei Jahren hat der Mediziner Dr. Konrad Mahlfeld (Magdeburg) den ersten Teil des Werkkatalogs über den Maler Paul Müller-Kaempff und dessen Ehefrau, die Malerin Else Müller-Kaempff, veröffentlicht. Nun ist der zweite Band im Verlag Atelier im Bauernhaus erschienen – ein opulentes Buch über Müller-Kaempffs zeichnerisches Werk, das neben vielen Motiven von der Ostsee auch eine ganze Reihe Motive aus dem Oldenburger Land enthält.

Beim Schmökern stößt man auf eine Straßenszene aus Jever, eine Szene aus Ostiem, die Hunte bei Dötlingen, die Geest bei Ahlhorn, die Hunte in Wildeshausen, ein Gehöft bei Damme: Paul Müller-Kaempff hat zahlreiche Zeichnungen von Landschaften und Orten des Oldenburger Landes, von denen – ein Glücksfall – eine ansehnliche Zahl im Landesmuseum Oldenburg erhalten sind. Sie sollen im Rahmen einer kleinen Schau in der zweiten Jahreshälfte gezeigt werden.

Durchs Oldenburger Land

Mahlfeld hat die Tour, die Müller-Kaempff 1908 durchs Oldenburgische unternommen hatte, dokumentiert: 19 Zeichnungen sind als Konvolut im Landesmuseum erhalten. Sie gelangten nach dem Tod des Künstlers nach Oldenburg. Müller-Kaempff reiste über Ostiem, Jever, Ahlhorn, Damme, Dötlingen, Wildeshausen, Hasbruch nach Neuenburg und Dangastermoor. Dort wollte er Karl Schmidt-Rottluff treffen, den Brückemaler. Er traf ihn nicht an.

Mahlfeld schätzt, dass es mehr als 1000 Zeichnungen Müller-Kaempffs gibt, 610 konnte er dokumentieren. Müller-Kaempff traf 1908 in Dötlingen den Maler Georg Müller vom Siel, dort schuf er auch die Landschaftsbilder mit Motiven der Hunte und der Heidelandschaft. Müller-Kaempff war zu der Zeit schon als Künstler etabliert und bekannt als Landschaftsmaler, vielleicht der bekannteste deutsche Landschaftsmaler im ausgehenden 19. Jahrhundert. Seine Frau Else und er zählten 1904 zu den Mitbegründern des Oldenburger Kunstvereins. 1906 zum Professor ernannt, zählte er zu den Mitgliedern der staatlichen oldenburgischen Kunstankaufskommission. 
Autor Mahlfeld arbeitet bereits am dritten Teil des Werkkatalogs, der die Gemälde enthalten soll. 1000 Gemälde hat Müller-Kaempf, der erstmals 1889 nach Ahrenshoop kam und ab 1892 dort im eigenen Haus (mit Pension für Malschülerinnen) lebte, hinterlassen.

Engagiert im Künstlerort

Ebenso groß ist das zeichnerische Werk, das Mahlfeld für Sammler und Liebhaber erarbeitet hat. „Ahrenshoop wäre nicht der Künstlerort, der er heute ist“, sagt Mahlfeld. Der Maler hat an einer Gestaltungssatzung mitgearbeitet und sich auch für die Einführung der Kurtaxe eingesetzt.

Paul Müller-Kaempff wurde 1861 in Oldenburg geboren. Er besuchte das Gymnasium (heute Altes Gymnasium) und erhielt eine Ausbildung an den Kunstakademien in Düsseldorf, Karlsruhe und Berlin. Dort studierte zu jener Zeit auch Georg Müller vom Siel. Über einen Freund kam er 1889 nach Ahrenshoop und baute sich ein eigenes Atelierhaus mit Malschule. Eine seiner Schülerinnen war seine spätere Frau Else. Ende des 19. Jahrhunderts zählte Müller-Kaempff zu den bekanntesten Landschaftsmalern.

Müller-Kaempff entwarf das Plakat für die Landes- und Gewerbeausstellung in Oldenburg, 1911 erwarb Großherzog Friedrich August das Gemälde „Pöwerdorp“, das im Oldenburger Palais hängt. 40 Ausstellungsbeteiligungen des Maler-Ehepaars zwischen 1887 und 1929 im Oldenburger Land sind dokumentiert (Oldenburg, Wilhelmshaven, Varel, Jever). Müller-Kaempff und seine Frau zogen später nach Berlin. Dort starb Müller-Kaempff 1941. Autor Konrad Mahlstedt ist Mediziner. Seit 25 Jahren beschäftigt er sich mit dem künstlerischen Nachlass Müller-Kaempffs, auf den er erstmals als Urlauber in Ahrenshoop stieß. „Es gab nichts an Literatur“, berichtet Mahlfeld von den ersten Jahren seiner Suche.

Gesamtschau möglich

Er fand aber bald heraus, dass Müller-Kaempff eine überragende Bedeutung für Oldenburg hatte. Das Ergebnis, allein 352 hochformatige Seiten für den zweiten Band des Werkkatalogs, lässt sich daher um so mehr einschätzen: Erstmals werde in der Gesamtschau eines deutlich, schreibt Museumsdirektor Rainer Stamm (Landesmuseum Oldenburg): „Die herausragende Qualität seiner Zeichnungen. Gerade die Arbeiten auf dem Papier sind von einer Leichtigkeit, als könne man den sanften Wind über der Landschaft spüren.“

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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