Oldenburg Compagnien aus aller Welt und Tanz auf allen Bühnen – das versteht sich auch für die 14. Ausgabe der Internationalen Tanztage (10. bis 19. Mai) von selbst. Und was einmal erfolgreich eingeführt wurde, ist nun Tradition: Alle elf auftretenden Compagnien (mit Ausnahme der Oldenburger) sind jeweils an mindestens zwei, drei oder sogar vier Abenden zu erleben. Dabei haben die Aufführungen in der Exerzierhalle zwar ein kleineres Format, sind nach den Worten von Festivalleiter Burkhard Nemitz aber künstlerisch auf demselben Niveau wie jene im Kleinen und Großen Haus.

Vorverkauf

Der allgemeine Vorverkauf startet am 25. Januar. Karten an der Kasse und unter Telefon 0441/22 25 111: dienstags bis freitags 10–18 Uhr, samstags 10–14 Uhr. Online: www.staatstheater.de. 

Zum Programm gehören auch vier Partys mit Bands sowie mehrere Workshops.

Webseite mit Programm zu den Tanztagen

Dass die Tanztage eine Woche vor der Europawahl stattfinden, ist für Nemitz der Anlass, dem Programm ein (locker) verbindendes Thema zu geben. Das Festival lade dazu ein, heißt es im Programmheft, „verloren gegangenes emanzipatorisches Potenzial (wieder) zu entdecken“. Die Arbeiten thematisierten Wurzeln, „die uns gerade abhandenkommen oder schon abhandengekommen sind“.

Großes Haus

Wem das zu theoretisch klingt, den verweist Nemitz auf die Eröffnung der Tanztage durch das Alonzo King Lines Ballet aus San Francisco (10., 11. und 12. Mai). In „Figures Of Speech“, eine der beiden Produktionen, die der renommierte Choreograf Alonzo King vorstellt, treffen sich menschliche Stimmen aus den entlegensten Winkeln der Welt, um von den Tänzerinnen und Tänzern in Bewegung übersetzt zu werden. Eine Erinnerung daran, dass mehr als die Hälfte der weltweit fast 7000 Sprachen vom Verschwinden bedroht sind.

Nach dem Auftritt der Tanzcompagnie Oldenburg, die am 13. Mai ihre aktuellen Choreografien präsentieren wird – „Am Ende unser Schatten“ und „Le Sacre du Printemps“ erleben erst im April ihre Uraufführung –, zeigt das Ballett Dortmund eine Gala (14./15. Mai) mit Ausschnitten aus verschiedenen Choreografien. Das Motto könnte über dem ganzen Festival stehen: Tanz braucht Zukunft.

Einen sehr persönlichen Hintergrund hat „My Rock“ der Groupe Émile Dubois/Compagnie Jean-Claude Gallotta aus Grenoble (16. bis 19. Mai). Für Gallotta, einer der wichtigsten Vertreter des französischen Tanzes, war Rock ein Teil seiner Teenager-Welt, der ihm geholfen hat, „meiner existenziellen Angst zu entkommen“.

Kleines Haus

Gleich mit sechs Choreografien und zwei Europapremieren kommen Gäste aus den USA (10., 11. und 12. Mai): Danceworks Chicago. Die Compagnie mit jungen Tänzern zwischen 17 und 22 Jahren will den zeitgenössischen Tanz weiterentwickeln und zeigt Kostproben unter dem Motto Always Moving.

Die National Dance Company Wales aus Cardiff hat drei Produktionen im Gepäck (14., 15. und 16. Mai), darunter das geheimnisvolle „Folk“ der Hauschoreografin Caroline Finn. Die Choreografie erinnere ihn an Gemälde des 17./18. Jahrhunderts, erläutert der Festivalleiter, und habe mehr mit Poesie als mit Tanz zu tun.

Während Danceworks Chicago junge Talente aus den USA fördert, engagiert die spanische Compagnie Dantzaz (17., 18. und 19. Mai) vor allem den baskischen oder aus Europa stammenden Nachwuchs. „Growing Young“ mit vier verschiedenen Choreografien ist eine Hommage an die eigene Philosophie der Truppe.

Exerzierhalle

Mit einem Duett zweier Männer startet das Programm am 10. Mai (11./12.) in der Exerzierhalle: Der Tänzer Mavin Khoo, 1976 geboren in Kuala Lumpur, lotet in „Man To Monk, Part 1“ gemeinsam mit einem anderen Tänzer die Bandbreite menschlicher Leidenschaften von Lust und Liebe aus. Die Arbeit basiert auf Hindu- und Sufivorstellungen.

In Österreich ist das Toihaus Theater Salzburg zu Hause, das mit zwei Kinderstücken (11./12. Mai), aber auch mit einer Arbeit für Erwachsene (13. Mai) anreist. „Feed And Bleed – so lautet der Titel der Dance & Media Performance – nennt man das technische Verfahren, mit dem man Atomreaktoren im Notfall kühlt. Anlass für die Produktion war die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Doch es geht nicht nur um Katastrophen, sondern auch um Wahrnehmung und ihre Manipulation.

Mehr als 20 Jahre lang tanzte die Italienerin Cristiana Morganti als Solistin beim Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch, wo sie das „Sehen mit dem Körper“ gelernt hat, wie sie sagt. „Jessica And Me“, eine der beiden Choreografien, die sie in Oldenburg zeigt (14., 15., 17. und 18. Mai), ist ein Solo, in dem sie nicht nur tanzt, sondern auch herrlich erzählt.

Als „Entdeckung“ kündigt Nemitz die Virpi Pahkinen Dance Company aus Schweden an (18./19. Mai). In „Deep Time“, der Choreografie der Finnin Pahkinen, beschwört das Ensemble eine verloren gegangene Kultur. „Aber nichts davon ist wahr“, sagt Nemitz, „denn diese Kultur ist nur erfunden.“

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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