Frage: Frau Mahler, Sie werden von vielen gern als Volksschauspielerin tituliert.
Mahler: Ich persönlich kann damit nicht so viel anfangen und halte den Begriff eigentlich auch für überflüssig. Aber irgendwie muss es wohl solche Einteilungen geben. Und es ist ja durchaus nett gemeint. Insofern kann ich damit leben und finde es auch nicht weiter schlimm, wenn mich die Leute als Volksschauspielerin bezeichnen.
Frage: Können Sie sich noch an ihren ersten großen Ohnsorg-Live-Auftritt erinnern?
Mahler: Ja, das war 1964, da stand ich schon mit meiner Mutter auf der Bühne. Und wenn ich mich richtig entsinne, wurde das auch im Fernsehen übertragen.

Zwei Vorstellungen in der Kulturetage

In dem Klassiker „En Mann mit Charakter“ von Wilfried Wroost ist Heidi Mahler auf Gastspielreise. Zwei Vorstellungen finden am 31. Oktober in der Oldenburger Kulturetage (Bahnhofstraße 11) statt – um 15.30 und 19.30 Uhr.

Karten gibt es an der Abendkasse, unter Telefon   0441/92 48 00 oder online

    www.kulturetage.de

Frage: Welchen Stellenwert hatte das Fernsehen für Ihre Karriere und für das Theater?
Mahler: Da wir regelmäßig im Fernsehen waren, hatten wir in ganz Deutschland einen enormen Bekanntheitsgrad. Das hat dem Theater und uns sehr gut getan.
Frage: Wissen Sie, wie der Kontakt zum Fernsehen zustande kam?
Mahler: Wir sollten eine Art Gegenpol zu Millowitsch in Köln bilden, wobei sich die Fernsehleute Walter Scherau als Pendant zu Willy Millowitsch ausgeguckt hatten. Der hat darauf bestanden, dass er das nur zusammen mit dem Ohnsorg-Theater machen würde. So durften wir pro Jahr fürs Fernsehen „fünf heitere Stücke“ abliefern.
Frage: Das Fernsehen konzentrierte sich also ausnahmslos auf leichte Unterhaltung, obwohl Ohnsorg auch damals bereits andere Sachen im Programm hatte?
Mahler: Tatsächlich haben wir immer schon einen ausgesprochen bunten Spielplan gehabt und auch früher neben den Komödien regelmäßig ernstere Stücke gespielt. Das Hamburger Publikum ist da auch von Anfang gut mitgegangen. Nach außen hin wurde das ansonsten wahrscheinlich vor allem deswegen nicht so wahrgenommen, weil viele Leute uns nur von den Fernsehübertragungen kannten. Auf unseren Tourneen sind wir zumindest in den früheren Jahre ebenfalls vorzugsweise mit heiteren Stücken unterwegs gewesen.
Frage: Was war mit den plattdeutschen Stücken?
Mahler: Fürs Fernsehen war da überhaupt nicht dran zu denken. Selbst als die dritten Programme aufkamen, blieb das schwierig. Das hat mich schon etwas enttäuscht, weil ich der Meinung bin, die hätten in der Richtung ruhig mehr tun können und sollen, und das übrigens nicht bloß bei uns in Norddeutschland. Insgesamt hat der NDR lediglich ein paar plattdeutsche Stücke aufgezeichnet. Ich erinnere mich an „Söbentein Sack Kaffee“, weil mein Vater mitgespielt hat, und natürlich an „Mudder Mews“. Aber viel mehr war da nicht.
Frage: Haben Sie eine Lieblingsrolle?
Mahler: Was ernste Rollen betrifft auf jeden Fall „Johnny Belinda“. Da spiele ich ein gehörloses Mädchen. Eine weitere meiner absoluten Lieblingsrollen ist die Liese Bänsch aus „Michael Kramer“ von Gerhard Hauptmann. Und nicht zu vergessen die „Mudder Mews“, wo ich erst das junge Mädchen und später die Hauptrolle der Mutter gespielt habe. Das ist ja ohnehin der Klassiker schlechthin im Plattdeutschen und in Hamburg.
Frage: In vielen solcher Klassiker standen sie einst gemeinsam mit ihrer Mama Heidi Kabel auf der Bühne. Haben Sie dadurch einen anderen oder besonderen Zugang?
Mahler: Es ist schon so, dass ich meine Mutter manchmal noch höre, egal ob die Rolle von mir oder von einer anderen Schauspielerin verkörpert wird. Sicherlich bekommt man dadurch einen etwas anderen Zugang, wobei ich nicht behaupten möchte, dass ich diese oder jene Rolle früher weniger intensiv erlebt hätte.
Frage: Allein mit den schauspielerischen Genen, die ihnen von ihrer Familie vererbt worden sind, ist es nicht getan?
Mahler: Das allein reicht wohl nicht, zumal es genügend Beispiele für Schauspieler-Kinder gibt, die überhaupt kein Gen für die Schauspielerei geerbt zu haben scheinen. Ein gewisses Maß an Talent und Fleiß sollte man schon mitbringen.
Frage: War es eher schwieriger oder einfacher, gemeinsam mit der Mama auf der Bühne zu stehen?
Mahler: Schwierig war das nie mit meiner Mutter. Im Gegenteil, das hat immer Spaß gemacht, und zwar nicht nur mir, sondern mit allen in unserem Ensemble. Meine Mutter war eine wunderbare Kollegin und ist ungemein beliebt gewesen. Selbst in ernsten Stücken hat das immer großen Spaß gemacht, mit und neben ihr auf einer Bühne zu stehen.
Frage: Warum haben Sie sich für ihre Abschiedstournee für ein plattdeutsches Stück entschieden?
Mahler: Das plattdeutsche Theater war und ist mir immer ein wichtiges Anliegen gewesen. Wenn es das nicht gegeben hätte, weiß ich nicht, ob ich überhaupt bereit gewesen wäre, eine so lange Zeit auf der Bühne zu stehen.
Frage: Wie lange braucht es, um ein Stück wie „En Mann mit Charakter“ einzustudieren?
Mahler: Zwei Monate bevor die Probe beginnt, bekommen wir den Text. Der sollte dann halbwegs gut sitzen, wenn wir loslegen. Anschließend sind es sechs Wochen, bis zur Premiere. Für „En Mann mit Charakter“ ist es dennoch ein bisschen eng. Wegen der Unterbrechung durch die Theater-Ferien sind uns praktisch nur noch 14 weitere Tage Zeit für die Hauptproben geblieben.
Frage: Sind Sie noch aufgeregt oder entwickelt man mit der Zeit eine gewisse Routine?
Mahler: Theater ist alles andere als Routine. Bei jedem Stück fängt man immer wieder bei Null an. Da gibt es keine Routine.
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