BREMEN England, was für ein Land! Furchtbares Bier, schreckliches Wetter, verschrobener Landadel. Aber Komödien werden hier geschrieben wie in keinem anderen Land der Welt. Schnelles, offensives Lachtheater in bester „Kick and Rush“-Manier lässt der englische Dramatiker Peter Shaffer in seiner „Komödie im Dunkeln“ auflaufen. Und bei der Premiere im Schauspielhaus landete die rundweg komödiantisch eingestellte Bremer Schauspielmannschaft damit auch so manchen Volltreffer.

Gewiss, dies ist kein Bildungstheater. Es darf und muss gelacht werden in dieser Zimmerklamotte von 1965, wo ein klammer Künstler (gespielt vom smarten Thomas Hatzmann) sich in völlig auswegslose Situationen hineinmanövriert. Um seine Wohnung für wichtigen Besuch aufzuhübschen, hatte er beim Nachbarn dessen noble Möbel entwendet. Der wiederum ist „not amused“.

Doch nun knallt’s. Stromausfall! Und alles geht schief, was das Lügengebäude des Armen hätte aufrechterhalten können. Der Nachbar schleicht herein – und natürlich soll er nichts vom Diebstahl bemerken. Als sanft beleidigter Tweed-Träger holt Tobias Beyer einiges Amüsement aus diesem Westentaschen-Snob heraus.

Unzählige Verwicklungen hat Shaffer nun um diese Zimmergäste herum geschlungen. Mit aller Konsequenz lässt er eine Figur nach der nächsten in die dunkle Falle tapsen. Als Kunstgriff wird dabei die Lichtsituation umgekehrt: Wenn die Figuren sich in Helligkeit bewegen, bleibt die Bühne für uns Zuschauer dunkel. Und andersrum.

So sehen wir, wie der gestresste Hektiker im Dunkeln beginnt, die gestohlenen Möbel aus der Wohnung herauszuschleppen – während jedoch immer mehr Gäste auf diesen bereits Platz genommen haben. Da heißt es balancieren, jonglieren und improvisieren. Denn ein militanter Schwiegervater, eine besoffene Nachbarin, zwei Geliebte und ein Elektriker toben bereits in jeder Ecke herum. Am Ende ist alles tüchtig ramponiert.

Zu diesem Zweck hat Anna Siegrot eine verwinkelte Drei-Zimmer-Immobilie konstruiert. Und die Regie von Martin Baum setzt auf Tempo und kräftige Slapstick-Mittel, um hier Leben in die Bude zu bringen. Angst vor Albernheit hat an diesem extrem juxigen Abend niemand.

Höhepunkte? Da sind zunächst die beiden Geliebten Franziska Schubert und Johanna Geißler zu nennen; beide überzeugen mit Witz und Wahn. Und dann dröhmelt da noch diese dümmlich brünstige Nachbarin herum, die von Eva Gosciejewicz so prächtig weggetreten gespielt wird, als hätte sie ihr Hirn bereits beim Hereinkommen gegen ein Glas Gin eingetauscht.

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