Düsseldorf Für die umstrittene Versteigerung eines „Triple Elvis“ von Andy Warhol durch den Casino-Betreiber Westspiel hat das NRW-Kulturministerium im August eine Ausfuhrgenehmigung erteilt. Dies sei für die Ausfuhr von Kulturgütern, die älter als 50 Jahre alt sind, in Nicht-EU-Staaten notwendig, teilte das Ministerium am Montag mit.

Die Genehmigung erfolge nach formalrechtlichen Kriterien. Seien die erfüllt, müsse das Kulturministerium die Genehmigung erteilen. Für den „Triple Elvis“ habe Christie“s eine „vorübergehende Ausfuhrgenehmigung zu Ausstellungszwecken“ beantragt. Das Ministerium hätte aber auch grünes Licht geben müssen, wenn Christie“s eine Ausfuhrlizenz zum Zweck des Verkaufs beantragt hätte, weil sich das Kunstwerk nicht auf der Liste der national wertvollen Kulturgüter befindet, hieß es weiter.

Die geplante Versteigerung der beiden Warhol-Werke „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ ist in der Kulturlandschaft bundesweit auf heftige Kritik gestoßen. Westspiel will sie am 12. November von Christie“s in New York versteigern lassen und erhofft sich einen Erlös von rund 100 Millionen Euro. Davon sollen bis zu 80 Millionen im Unternehmen verbleiben und der Sanierung der landeseigenen Gesellschaft dienen. Das 1966 entstandene Bild „Four Marlons“ brauchte keine Exportgenehmigung, weil es noch keine 50 Jahre alt ist.

Die Ausfuhrgenehmigung für den „Triple Elvis“ sei nicht über den Schreibtisch von Ministerin Ute Schäfer (SPD) gelaufen. Das Kulturministerium erteile - überwiegend im Rahmen des internationalen musealen Leihverkehrs - rund 200 Ausfuhrgenehmigungen pro Jahr.

Christie“s hatte seinerzeit vom Ministerium auch die Ausfuhr des 1957 entstandenen Werks „Number 5, 1951 (Elegant Lady)“ von Jackson Pollock genehmigt bekommen, das der Energiekonzern Eon im Mai in New York versteigern ließ. Dafür habe Christie“s aber eine „endgültige Ausfuhrgenehmigung zum Zweck des Verkaufs beantragt“ und auch bekommen. Warum Christie“S für das Warhol-Bild von Westspiel nur eine vorübergehende Exportlizenz beantragte, ist unklar.

Unterdessen wies Westspiel Berichte zurück, wonach das Unternehmen seinen Gesamtbestand von über 230 Kunstwerken zum Verkauf angeboten habe. Weitere Bilderverkäufe seien nicht vorgesehen. Die WestLB-Nachfolgegesellschaft Portigon teilte zu ihrem Kunstbestand mit: „Entscheidungen zum Verkauf dieser Bilder liegen nicht vor.“ Damit ließ Portigon allerdings offen, ob ein Verkauf der Bilder, unter anderem von Picasso, zumindest erwogen wird.

Das Kulturministerium wies Berichte zurück, wonach auch Kunst aus der landeseigenen Kunstsammlung „Kunst aus NRW“ in Kornelimünster bei Aachen verkauft werden solle. Kornelimünster „steht nicht zur Diskussion“, sagte die Sprecherin des Kulturministeriums. Unter anderem lagern in der ehemaligen Reichsabtei frühe Werke von Gerhard Richter.

Seit 1948 fördert Nordrhein-Westfalen besonders begabte junge Künstler, deren Schaffens- und Lebensschwerpunkt in NRW liegt, durch den Ankauf von Werken. Inzwischen haben einige Frühwerke heute bekannter Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke oder Gotthard Graubner eine enorme Wertsteigerung erfahren.

Die Gruppe von rund 300 Spitzenwerken renommierter Künstler habe heute einen Schätzwert von rund 35 Millionen Euro. Diesem stehe die Gesamtkaufsumme von rund 9 Millionen Euro für alle bisher angekauften rund 3800 Kunstwerke gegenüber, heißt es auf der Internetseite „Kunst aus NRW“. Inzwischen wird der Platz in der Reichsabtei knapp. In Kornelimünster gibt es auch Werke von Künstlern, die trotz hoffnungsvoller Ansätze keinen Erfolg hatten.

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