Von Matthias Mineur

Frage: Herr Garbarek, seit mehr als 35 Jahren sind Sie fester Bestandteil der internationalen Jazz-Szene mit zahlreichen Studioaufnahmen und unzähligen Konzerten. Was treibt Sie immer noch auf die Bühne?

Garbarek: Die Möglichkeit, ein tolles Konzert, einen magischen Moment zu erleben oder eine besondere künstlerische Erfahrung zu machen. Danach strebt wohl jeder Musiker.

Frage: Dabei erlebt die Musik, die Sie spielen, ja momentan harte Zeiten, oder? Jazz generell steht zurzeit nicht eben in seiner Blüte.

Garbarek: Das kommt ganz darauf an, wie man Jazz definiert. Schauen Sie sich nur einmal die Liste der größten Chart-Erfolge in den zurückliegenden Jahren an. Da liegt Norah Jones ganz weit mit vorne.

Frage: Jetzt bin ich überrascht: Sie bezeichnen die Musik von Norah Jones tatsächlich als Jazz?

Garbarek: Nein, natürlich nicht. Deswegen sage ich ja: Man muss Jazz ganz genau definieren, um eine Einschätzung der Marktlage vorzunehmen. Der Hard Bop der Sechziger ist zurzeit sicher kein Renner.

Frage: Wodurch werden Sie künstlerisch beeinflusst?

Garbarek: Kommt auf Stimmung und Gelegenheit an. Ich mag Fritz Wunderlich, den deutschen Sänger aus den Fünfzigern, ebenso bin ich im Laufe der Jahre ein Fan klassischer Musik geworden. Ob mich all das konkret beeinflusst, kann ich nicht sagen. Viele Inspirationen laufen ja unbewusst ab.

Frage: Man sagt, dass Sie auch ein Faible für Musiker haben, die mit elektronischen Stilmitteln experimentieren. Stichwort: Portishead oder Massive Attack.

Garbarek: Ja, es stimmt, gerade zu Portishead und Massive Attack habe ich eine gewisse Affinität. Dazu kommen übrigens auch noch Björk oder Tricky. In deren Musik findet man eine Menge frischer neuer Ansätze.

Frage: Wohingegen Sie in Ihrer Band lieber auf bewährte Kräfte setzen. Eberhard Weber und Rainer Brüninghaus gehören nicht eben zur Riege der jungen Wilden.

Garbarek: Wenn ich eine Band zusammenstelle, suche ich mir Musiker, denen ich selbst gerne zuhöre und die das handwerkliche Können sowie musikalisches Verständnis besitzen, um zu meinen Kompositionen zu passen. Denn auch wenn viele Dinge in meinen Stücken simpel zu sein scheinen, erfordern sie ein hohes Maß an Können. Mit Eberhard Weber spiele ich schon seit vielen Jahren zusammen, und auch Rainer Brüninghaus ist auf mehreren meiner Alben zu hören. Bei beiden weiß ich, dass sie der Sache gewachsen sind.

Frage: Der eigentliche Star ihres neuen Quartett ist jedoch – neben Ihnen selbst – der Schlagzeuger Manu Katché. Ein Ausnahmemusiker, der schon mit Sting, Peter Gabriel, Dire Straits oder sogar auch den Bee Gees gespielt hat. Wie passt er zu Ihrem Jazz-Konzept?

Garbarek: Oh, ganz wunderbar. Manu ist ein herausragender Musiker. Einer, der das moderne Jazz-Drumming verstanden hat und perfekt umsetzt.

Frage: Inwiefern hat sich das Schlagzeugspiel im Jazz verändert?

Garbarek: Es ist – wie soll ich sagen? – liberaler geworden, irgendwie auch tanzbarer. Früher waren es Leute wie Buddy Rich, Gene Crooper oder Joe Jones, die einen gewissen Swing in die Musik brachten. Manu ist so etwas wie die zeitgemäße Fortsetzung dieser Leute und spielt außerordentlich modern. Nach einem solchen Schlagzeuger hatte ich für meine Band gesucht.

Frage: Können sich Ihre Fans demnach in Oldenburg auf Überraschungen gefasst machen? Etwa auf eine moderne Variante Ihres typischen Stils?

Gabarek: Ich denke, meine Fans wissen, was sie erwartet. Ich habe in meinem Leben noch nie irgendwelche Revolutionen ausgelöst, sondern mich stetig weiterentwickelt. Wir spielen eine ausgewogene Balance aus bekannten Stücken und neuem Material, das im vergangenen Jahr entstanden ist.

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