New York Einen Film wie „Hotel Artemis“ gibt es im hochgerüsteten Hollywood heutzutage nur selten: keine Comic-Verfilmung, keine Fortsetzung, keine Neuauflage eines 20 Jahre alten Stoffes. Stattdessen hat Regisseur Drew Pearce einen frischen und mutigen Science-Fiction-Actionthriller mit düsterer Atmosphäre und exzellenten Schauspielern gedreht.

Wie eine Graphic Novel, ein grafischer Roman, kommen Geschichte und Rahmen daher: Im Los Angeles des Jahres 2028 dreht ein Konzern den Menschen das Wasser ab, auf den Straßen kommt es zu Unruhen. Im „Hotel Artemis“ gibt es aber ganz andere Pro­bleme: Eine stets nur „Schwester“ genannte Frau (Jodie Foster in ihrem ersten Film seit fünf Jahren) führt mit harter Hand ein Krankenhaus für Kriminelle. Der Film kommt an diesem Donnerstag in die deutschen Kinos.

Foster behandelt diejenigen, die kaum in ein normales Hospital gehen könnten. Auftragskiller, Kleinkriminelle und gewöhnliche Bankräuber. „Kein Wasser in Los Angeles, aber hier drin regnet’s Arschlöcher“, beschreibt sie das Konzept lakonisch, ein Satz, der gleichzeitig zeigt, wie herausragend und problematisch der Film ist.

Herausragend, weil Fosters Pointen und einige andere Sprüche zielsicher landen und weil sie Teil eines Ensembles ist, das sicher ein halbes Dutzend der aktuell aufregendsten Hollywoodgesichter versammelt. Allen voran ist da Sterling K. Brown (Emmy-Gewinner für Randall aus der Familienserie „This is Us“) als Gangster Waikiki. Wie immer untermauert Brown auch hier, dass er auf dem besten Weg ist, zum Denzel Washington einer neuen Generation zu werden. Hinzu kommen Zachary Quinto (Spock in den neueren „Star Trek“-Filmen), Jenny Slate („Obvious Child“ und „Landline“) und Jeff Goldblum, dem es seit Jahrzehnten gelingt, jeden seiner Filme aufzuwerten.

Wer aber wie Pearce in seinem Regiedebüt so viele fantastische Schauspieler versammelt, der schafft immer auch die Gefahr, dass die Handlung auf der Strecke bleibt – und genau das passiert hier. Teils extrem hölzerne Dialoge („Geh! Es gibt für dich da draußen so viel, wofür es sich zu leben lohnt!“) bremsen eine Story aus, die viele Bälle in die Luft wirft, aber längst nicht alle auffängt. Genau wie die oft deutlich zu bassig dröhnende Filmmusik von Cliff Martinez sind die vielen Drehbucheinfälle und Storylines dieses Ensemblefilms eine Spur zu dick aufgetragen, ohne auf Nuancen zu achten.

Diese Probleme treten aber in den Hintergrund, weil es dank der hervorragenden Ausstattung und von Veteran Ramsey Avery spannend eingerichteten Sets viel zu viel zu sehen gibt und weil der Film angenehm ökonomisch arbeitet. Bis zum Abspann vergehen gerade einmal 85 schlanke Minuten, auch das ist eine Besonderheit dieses ungewöhnlichen Hollywood-Films.

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