München /Oldenburg „Wanted!“ Das Fahndungsplakat könnte auch an einer Saloon-Tür hängen. Eine Million Dollar für den Mann mit der merkwürdigen Pfannkuchen-Tolle: den Klimakiller Nr. 1. „Die US-Kriminalität steigt wieder!“, lautet der Kommentar, und wir wissen, wen und was Horst Haitzinger da mit raschem, bösem Strich festgehalten hat: Donald Trump natürlich, der im März mit dem Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen ernst gemacht hat – für Deutschlands wohl bekanntesten Karikaturisten ein Grund mehr, grimmig die Feder zu schärfen.

Fast drei Jahrzehnte nachdem sein Lieblingsmotiv, der langjährige CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß, gestorben ist, hat der 78-Jährige offenbar einen „Neuen“ für sich entdeckt: den US-Präsidenten Trump. Nur dass er bei diesem nicht die geringste Empathie durchscheinen lässt.

Die Tolle sitzt selbst unter der siebenstrahligen Krone der Freiheitsstatue, die tumbe Physiognomie passt perfekt zu seiner Vorstellung als Manneken Pis im neuen Brüsseler Hauptquartier, und als vierbeiniger „Trumpel“ latscht er auf Elefantenfüßen über Europa, Nato, Freihandel und Umwelt hinweg. An so etwas wie den Trump, räumte Haitzinger kürzlich in einem Interview ein, könne er sich in seiner gesamten Laufbahn nicht erinnern.

Und das will etwas heißen. In seinen gezeichneten Kommentaren, die auch zum täglichen Lesestoff dieser Zeitung gehören, beherrscht der Münchner „Medienmensch“ seit Jahrzehnten die hohe Kunst der Überspitzung. So gut sind seine Karikaturen, dass man sie sich mehrmals anschauen sollte: erst aktuell und dann noch mal im Jahresrückblick 2017 (Stiebner Verlag, München, 11,90 Euro, erhältlich in allen NWZ-Geschäftsstellen).

Darin sind die Themen – neben der US-Lieblingszielscheibe – wie immer breit gestreut: vom G20-Gipfel und Nordkorea über Erdogan (noch vor Trump auf Platz eins in der „Internationalen Pöbel-Meisterschaft“) bis zum Dieselskandal, Luther-Jubiläum und Terroranschlag, bis zur Pkw-Maut und AfD, von Horst Seehofer über Angela Merkel bis zu Martin Schulz. Keiner fehlt.

Und eines ist auch im neuen Jahr gewiss: Koalitionen kommen und gehen, aber einem Haitzinger gehen die Themen nie aus.

Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion

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