München Patrick Süskind scheint ein ganz besonderes Talent zu haben. Er kann sich rar machen – sogar wenn er da ist. „60 Minuten zu schweigen, wäre für ein Gespräch zwischen zwei Personen, die eng befreundet waren, nicht üblich, wenn eine der Personen nicht Patrick Süskind hieße“, schrieb der 2015 gestorbene Regisseur Helmut Dietl in seinen Erinnerungen „A bissel was geht immer“ über seinen engen Freund. „Er verfügte über etliche Varianten der stummen Anwesenheit, die für den Kenner eine gesteigerte Art von Abwesenheit signalisierten.“ Oft, so schrieb Dietl, denke Süskind dann ans Kochen und Essen.

Patrick Süskind ist ein literarisches Phänomen – und so gut wie unsichtbar. Am 26. März wird er 70 Jahre alt, öffentlich aufgetreten ist er seit Jahren nicht mehr. Interviews lehnt er ab, neue Buchprojekte ebenso. „Er ist kein Phantom. Es gibt ihn wirklich“, betont eine Sprecherin des Diogenes Verlages, der Süskinds Werke auf den Markt gebracht hat und zu seinem Geburtstag seine Erzählung „Ein Kampf“ über eine Schach-Partie neu auflegt.

Ein Foto zeigt ihn, wie er 2015 in München zur Trauerfeier für seinen Freund Dietl kommt. 2012 will ihn die „Südwest Presse“ bei einer Veranstaltung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung entdeckt haben. Sie veröffentlichte ein Foto von seinem linken Auge und Ohr.

Fast scheint es so, als habe Süskind sich Roland Barthes’ bahnbrechenden Aufsatz vom „Tod des Autors“ aus den 1960er Jahren etwas zu sehr zu Herzen genommen. Bar­thes vertrat die These, dass die Biografie des Autors weit weniger wichtig für das Verständnis seines Werks sei als angenommen, und läutete mit der Debatte darum eine neue Ära in der Literaturwissenschaft ein.

Ein solches Werk ohne Autor hat gewissermaßen auch Süskind geschaffen – vor allem mit seinem Kultroman „Das Parfum“ aus dem Jahr 1985, jenem Werk über das olfaktorische Genie Jean-Baptiste Grenouille, einen Sonderling, der zur mordenden Bestie mit nur einem einzigen Ziel wird: den Duft schlechthin zu kreieren. Das Buch wurde millionenfach verkauft, in 45 Sprachen übersetzt, verfilmt und jüngst auch zur Serie gemacht.

Süskind wurde in Ambach am Starnberger See geboren. „Ich komme vom Land“, schreibt er in dem Nachwort zu Dietls Erinnerungen. „Geboren auf einem Bauernhof, aufgewachsen im Wald und unter Bäumen am See. Da gab es (damals!) keine Cartierfeuerzeuge und keine Nerzjacken und keinen goldenen Mercedes.“

Er studierte Geschichte und begann seine Karriere mit Erzählungen, Drehbüchern und Theaterstücken. Einen „gemächlich prosaischen“ Instinkt bescheinigt er sich selbst. 1987, zwei Jahre nach dem „Parfum“, erschien seine Erzählung „Die Taube“ und 1991 „Die Geschichte von Herrn Sommer“. 2006 erschien sein Essay „Über Liebe und Tod“ – seither hat Süskind nichts mehr veröffentlicht.

Das Nachwort für Dietls Erinnerungen ist die einzige Ausnahme. „Über alles“ habe er mit Dietl geredet, schreibt Süskind darin. „Über Merkwürdigkeiten, über Ängste, über das, worüber wir uns im alltäglichen wie im generellen Leben wunderten oder empörten, und darüber, was wir komisch fanden.“

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