Von André Wesche

Frage: Herr Levy, ist „Mein Führer“ Ihre Antwort auf „Der Untergang“?

Levy: Nein. Der Film braucht keine Antwort, er formuliert ja keine Frage. „Der Untergang“ war für mich einer von vielen Filmen, die sich in eine gewisse Erkenntnisrichtung bewegt haben: Aufklärung durch realistische Abbildung.

Frage: Wie ist Ihr Ansatz?

Levy: Die Komödie ist ein Genre, das es erlaubt, die Widersprüche und das Boshafte unter der Lupe anzugucken. Man steht eben nicht unter dem Dogma der authentischen Abbildung. Man darf als Filmemacher auch moralische Türen aufstoßen. Ich mache mir keine Illusionen: Natürlich wird einem dann auch der Kopf gewaschen. Ich versuche, die moralische Haltung des Zuschauers zu strapazieren. Dafür ist das Kino ein toller Ort.

Frage: Lag Ihr Schwerpunkt auf Erkenntnis oder Komik?

Levy: Für mich beinhaltet Komik immer ein Stück weit Erkenntnis. Bei „Mein Führer“ war es mir wichtig, dass die Figur Hitler ein Mensch ist, der zunächst einmal als das gesehen wird, was er war, nämlich ein psychisch verwahrlostes Wrack. Ich zeige Hitler nicht als denkmalgeschütztes Phänomen. Was das Wirken Hitlers und der Nationalsozialisten angerichtet hat, ist unbestritten, die Leute bringen dieses Bewusstsein ins Kino mit. Ich muss es nicht noch einmal erzählen.

Frage: Warum erscheint Ihr Hitler so wenig bedrohlich?

Levy: Hitler war nach dem Stauffenberg-Attentat manisch depressiv und teilweise untauglich zur Führung des Landes. Aber es ist natürlich kein historisch-moralischer Film. Wenn jeder Film eine moralische Pflicht hat, dann werden Filme gleichförmig.

Frage: Warum spielt Helge Schneider den Hitler?

Levy: Er kann mit einer anderen Lässigkeit in eine solche Figur einsteigen, die ich von einem Schauspieler, der sich sehr stark anstrengt, so nicht kriegen würde.

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