Jever Niemand könnte An­dreas Hofmeir in die Schuhe schieben, dass er eingängige Lieder und Arien verballhornen würde. Das klappt praktisch nicht, weil der König der Tuba stets barfuß auftritt. Es geht auch nicht im übertragenen Sinne. Denn dafür hat der Bayer Mögliches und Unmögliches zwischen Schumann, Puccini und Wagner viel zu witzig, ironisch und beherzt auf das vermeintlich schwerfällige Instrument übertragen. Und er zelebriert es im ausverkauften Lokschuppen in Jever einfach grandios.

Am Eröffnungswochenende des 33. „Musikalischen Sommers in Ostfriesland“ setzt der Echo-Preisträger im Duo mit dem Harfenisten Andreas Mildner von den Bremer Philharmonikern gleich ein Ausrufezeichen. Offiziell hatte das Festival zuvor in Aurich begonnen. 400 Besucher erfreuten sich in der Lambertikirche am Spiel von Kathrin Rabus (Violine), Leonid Gorokhov (Cello) und Musiksommer-Leiter Iwan König (Klavier)sowie Trios von Schubert und Mendelssohn. Bis zum 30. Juli folgen noch 28 Konzerte.

Der Tubist ist ein virtuoser Solist und mitreißender Kabarettist. Ein „schimpflich einsames Dasein“, führe die Tuba im Orchester, mokiert er sich. Und die Originale für seine Tiefstbass-Abwandlungen seien eigentlich „kümmerliche Versionen“. Etwa Schumanns Introduktion und Allegro, ursprünglich für Horn. Oder Francois Bornes Carmen-Fantasie, eigentlich für Flöte.

Schnell und laut kann in der Musik jeder. Auch Hofmeir kann halsbrecherisch und saalerschütternd. Aber dieser Tubist kann auch langsam und leise, das zudem noch in feiner Abstimmung mit der Harfe, die er nie zudeckt. Und wenn er dem ebenso zupackenden wie sensibel bis in Pianissimo abstufenden Mildner solistisch die Variationen über Themen aus Bellinis „Norma“ von Elias Parish-Alvars überlässt, dann lobt er fast glaubhaft: „Erstaunlich, wie so eine Harfe auch ohne Tuba klingt.“

Der majestätisch näselnde Klang hat für einen ganzen Abend seine Grenzen und bedarf der wortsinnigen Auflockerung. Da eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. Dem Theaterstück „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind sollte Hofmeir den Bläser-Monolog „Die Tuba” zur Seite stellen, wenn der ihm besser gelingt als sein Buch „Kein Aufwand“ von 2016. Und er müsste die einzige Rolle selbst spielen. Erfolg gesichert.

Hofmeir, übernehmen Sie!


Informationen unter:   www.musikalischersommer.com 
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