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Oldenburg Die Jury benötigte etwas länger als sonst und präsentierte am Ende ein überraschendes Ergebnis, das bis an die Grenzen eines Grafikmuseums geht: Tobias Dostal heißt der neue Horst-Janssen-Grafikpreisträger, der mit seinen animierten Zeichnungen überzeugen konnte. „Er ist auch Filmemacher“, sagte Dr. Jutta Moster-Hoos am Montag. „Aber da er von der Zeichnung ausgeht, haben wir uns erlaubt, ihm den Preis zuzuerkennen. Ich finde es großartig.“

Dostal habe übers Daumenkino angefangen, erläuterte die wissenschaftliche Leitein des Oldenburger Horst-Janssen-Museums. Abgespielt würden seine Filme mit den animierten Zeichnungen „nicht digital, sondern ganz anlog und händisch“. Die Wahl sei schwergefallen, „da alle acht Kandidaten hochkarätig waren, aber Dostal hat uns am meisten Spaß gemacht“.

Der 1982 in Bad Hersfeld geborene Künstler – er lebt und arbeitet in Berlin – verbinde in seiner Kunst Zeichnung, Film und Installation auf „einzigartige Weise“, urteilte die Jury. Vor allem die filmische Dokumentation von flüchtigen Motiven, die mit Wasser auf Steine gezeichnet wurden, entwickele eine besondere Magie: „Sie ist technisch ausgeklügelt und in ihrer Wirkung zugleich poetisch.“

Von 2004 bis 2011 studierte Dostal freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. 2012 war er Meisterschüler bei Thomas Virnich und wurde 2013 mit dem New York-Stipendium der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen ausgezeichnet.

Die Kandidatenwahl wird in Oldenburg in besonderer Form vorgenommen. Man kann sich nicht bewerben; stattdessen haben acht Hochschuldozentinnen und -dozenten die Namen von jungen Kunstschaffenden vorgeschlagen, deren innovative Arbeitsweise ihnen aufgefallen ist. Neben Zeichnungen und klassischen Druckgrafiken sind auch digitale Drucke und andere Vervielfältigungstechniken auf Papier zugelassen.

Die fünfköpfige Jury setzt sich zusammen aus Dr. Nicole Deufel, Leiterin der städtischen Museen in Oldenburg, Dr. Jutta Moster-Hoos, Dirk Dobke (Leiter der Griffelkunstvereinigung in Hamburg), Professor Dr. Wulf Herzogenrath (Akademie der Künste Berlin) und Rik Reining (freier Kurator und Kunstsammler aus Hamburg).

Der Horst-Janssen-Grafikpreis, der im Drei-Jahres-Turnus von der Oldenburger Claus-Hüppe-Stiftung vergeben wird, ist mit einem Preisgeld von 20 000 Euro eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Grafiker. Neben dem Preisgeld erhält Dostal eine Einzelausstellung im Janssen-Museum sowie einen begleitenden Katalog. Die Schau findet vom 22. Oktober bis Januar 2018 statt.