Oldenburg Zehn Millimeter starke Stahlplatten in tänzerisch beschwingte Figuren zu verwandeln, hat sich Egbert Wellmann zur künstlerischen Aufgabe gemacht. Der in Wilhelmshaven geborene Bildhauer hat bei Reinhard Pfennig an der Pädagogischen Hochschule in Oldenburg Kunst studiert, dann aber den Lehrberuf nicht weiter verfolgt, sondern in Berlin das Studium fortgesetzt und schließlich einige Jahre in Australien verbracht, wohin es ihn auch jetzt noch zieht.

Dort, vor der großen Weite von Wüsten und Salzseen, entdeckte er das Silhouettenhafte menschlicher Körper, die sich in größeren Entfernungen bewegen. Wellmann entdeckte auch, was eigentlich Raum ist: Das unendlich Wesenhafte, das sich über dem Menschen, seinem Nachbarn, aber auch zwischen seinen Gliedmaßen, und allen Dingen ausgebreitet hat. Um dieses letztlich Ungreifbare, aber Existente sichtbar zu machen, hat der Künstler die Konturen seiner Stahlfiguren mit unregelmäßigen kleinen Einschnitten und Buchten versehen, hat zudem die Körperflächen aufgeschnitten und auch in ihnen Raumflächen entstehen lassen. Es liegt nahe, an Scherenschnitte zu denken, aber diese ungleichförmigen Ränder der Figuren bewahren vor einem solchen Vergleich.

Die Idee zu einer Figur kommt dem Bildhauer beim Betrachten der Stahlplatte, in deren Struktur er die Form einer Figur wahrnimmt. Diese wird aufgezeichnet und mit einem Acryllack abgedeckt, ehe der Stahl mit dem Schneidbrenner angegangen wird. Da der Schnitt die Befestigung der Vorlage umläuft, entstehen die Zacken und Buchten in der Kontur. Zugleich ergeben sich auf einer Seite der Platte die aufgeworfenen pastosen Brandränder, die nicht beseitigt werden, sondern als plastisches Element bestehen bleiben.

Diese Figuren haben ein eigentümlich dialektisches Verhältnis zum allgegenwärtigen Raum. Sie machen ihn sichtbar, und indem sie Schatten werfen oder sich wie in der NWZ-Galerie in den Fensterscheiben spiegeln, scheinen sie Raum auch teilweise einzugrenzen. Zugleich aber greift der Raum die Figuren an, macht die gebrochene Kontur und die aufgeschnittenen Flächen sichtbar, und beginnt damit ein dialektisches Spiel mit den Figuren.

Egbert Wellmann hat schließlich die Farbigkeit des Stahls bewusst gewählt. Das zuweilen mit Salzsäure intensivierte Rostbraun oder dunkle Blaugrau des Stahls sind zwei Indikatoren der Zeit – der eine, indem sich der rostige Stahl dem langsamen Vergehen im offenen Raum ausliefert, der andere, indem er dem Verfall zu widerstehen sucht.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.