Oldenburg Dass mit dieser Dame nicht gut Kirschen essen ist, merkt man, als ihre Gesichtszüge zum ersten Mal einfrieren, als klar wird, dass sich ihr frisch angetrauter Gatte finanziell übernommen hat und sie gezwungen sein wird, künftig viel Zeit mit ihm allein zu verbringen. Seine Aussichten auf eine Professur schwinden, ihre Ansprüche bleiben – ebenso wie ihr Ekel vor der Mittelmäßigkeit.

Fieser Zug um den Mund

Wie gut, dass Eva Maria Pichler als Hobbyschützin Hedda Gabler, die sich gern mal zur Waffensammlung ihres Vaters flüchtet und eine Runde herumballert, diese Mimik so perfekt beherrscht – diesen kleinen fiesen Zug um den Mund, das fast unmerkliche Kippen der Stimmung, dieses gierige Glitzern in den Augen, mit denen sie auf ihren Ehering blickt: bestimmt teuer. Man hätte sonst Mühe, in dieser beherrschten Frau die Zerstörerin zu erkennen, die das Leben lieber ruiniert, als seine Langeweile zu ertragen.

Nicht weiter schlimm, denn sie passt zum restlichen Personal der Oldenburger Inszenierung von Henrik Ibsens Drama, die eher mit Gleichmaß aufwartet: der Ehemann nicht überzogen langweilig, der Ex nicht übertrieben temperamentvoll. Ronny Jakubaschk hat den Text verschlankt, gekürzt, entstaubt, aber auch um einige psychologische Feinheiten beraubt.

Folglich macht Heddas Ehemann Jörgen Tesman (Bernhard Hackmann), ein Kulturhistoriker, der sich in den Flitterwochen lieber durch Archive als durch Bettlaken wühlt, eine durchaus liebenswerte, ansprechende Figur. Seine ihm von Ibsen zugedachte fatale Vorliebe für alte Pantoffeln, die ihm seine Tanten einst verehrt hatten, fällt im Kleinen Haus glatt unter den Tisch (inklusive Tante Juliane), damit auch ein augenfälliges Symbol für sein spießiges Mittelmaß und der Kontrast zu Heddas Pistolen.

Seinem Konkurrenten im Beruf und in der Liebe – Henner Momann als Eilert Lövborg – fehlt es dagegen an genialischer Ausstrahlung, um ein überzeugendes Gegengewicht zum Gatten abzugeben.

Nur Sarah Bauerett als Lövborgs Freundin und Assistentin beim Schreiben seines grandiosen Buches, Thea Elvsted, wirkt angemessen verdruckst neben der gefährlichen Hedda. Und Gilbert Mieroph als schleimiger Richter Brack ruft die eine oder andere Gänsehaut hervor.

Design-Albtraum

Reduziert auf das Wesentliche haben der Regisseur und sein Ausstatter Matthias Koch auch den Schauplatz, den äußeren Rahmen: Es sind gleich drei an der Zahl, sich nach hinten verjüngend, in riesigem, schwarz-weißen Fischgrätmuster, kein 19. Jahrhundert, kein bürgerlicher Plüsch, sondern ein moderner Design-Albtraum ohne Möbel.

In diesem Ambiente lässt der Regisseur seine Hedda mächtig zündeln und Lövborgs kostbares Buchmanuskript im Blecheimer verbrennen, um ihre Machtgefühle auszuleben. Eine Mischung aus Melodram und Seifenoper, in der Hedda sich am eigenen Anspruch verhebt und im Off laut knallend die Konsequenzen zieht.

Anderthalb Stunden ohne Pause, ohne Langeweile, aber auch ohne rechte Überzeugung.


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Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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