OLDENBURG Es ist voll in der Oldenburger Kulturetage. Luftfeuchtigkeit knapp unter 100 Prozent, und Patschuli-Geruch wabert durch die große Halle. Es ist fast wie früher, als die britischen Jazzrocker von Colosseum ihre ganz große Zeit hatten. Doch jetzt sind die 70er Jahre Vergangenheit, und dennoch ist jetzt wie früher: Colosseum sind so gut wie eh und je, die 550 leicht gealterten Fans begeistert.

Auf ihrer „womöglich letzten Tournee“ (Schlagzeuger Jon Hiseman) beweist das Sextett, warum es der letzte Überlebende des einst gepriesenen Jazzrocks ist: Äußerst exaktes Zusammenspiel bei gleichzeitigem Freiraum für Solisten, komplex arrangierte Stücke für den Kopf, die trotzdem die Füße in Wallung bringen – Hiseman, Barbara Thompson (Saxofon), Dave Clempson (Gitarre), Dave Greenslade (Orgel), Mark Clarke (Bass) und der unverwüstliche Sänger Chris Farlowe sind Garanten für ein Konzert zwischen nostalgischer Erinnerung und Jetztzeit.

Colosseum aber in die Schublade „Oldies but Gol­dies“ zu stecken, würde die Leistung der Band nicht nur an diesem Abend in Oldenburg, dem Auftakt ihrer Sommertour, falsch bewerten. Natürlich werden populäre Stücke wie „Walking In The Park“, „Lost Angeles“, „Theme For An Imaginary Western“ oder die grandiose „Valentine Suite“ in epischer Größe gespielt, gleichzeitig aber greift Hiseman auf Stücke zurück, die vielen in der Halle unbekannt sind. Die alte Komposition „Can’t Live Without You“ oder das neuere Stück „Tomorrow’s Blues“ zeugen von der Risikofreude der Band, auch auf Gassenhauer zu verzichten.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den NWZ-Wirtschafts-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Die knapp zwei Stunden machen Colosseum auf jeden Fall zu Gewinnern, das Können der in Ehren ergrauten Jazzrocker (mit deutlicher Betonung des Rock) ragt immer noch heraus. Sonderbeifall gab es dennoch vor allem für Barbara Thompson: Die an Parkinson erkrankte Saxofonistin konnte ihre Behinderung beim Gehen zwar nicht verstecken – doch wenn ihre Finger die Klappen des Instruments drückten, entlockte sie dem Saxofon die klarsten Töne. Können, Talent und Selbstbeherrschung in bescheidener Vollendung.

Man würde Colosseum gern noch einmal musizieren sehen.

Klaus Fricke
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.