Berlin Keine Angst: So schlimm wie der Titel wird es nicht. Auch wer das Wortspiel „Gut zu Vögeln“ so furchtbar findet, dass er sich an der Kinokasse nicht traut, es auszusprechen, wird im Kino dann ab und an mit gutem Gewissen lachen können. Immerhin können die beiden Hauptdarsteller Jacob (Max von Thun) und Simon (Max Giermann) selbst nicht mehr glauben, dass sie das mal lustig fanden. „Was für ein kack Wortspiel. Das hab“ ich nie verstanden“, stellt Jacob gleich zu Beginn klar.

Aber worum geht es nun in diesem als „anti-romantische Liebeskomödie“ beworbenen Kinofilm? Society-Reporterin Merlin (Anja Knauer) wird von ihrem Verlobten kurz vor der Hochzeit sitzengelassen. Der gemeinsame „Plan“, zusammenzuziehen und zu heiraten, schrumpft in seinen Augen zur „prima Idee“. Was er ihr außerdem zunächst per SMS mitteilt.

Für Merlin bedeutet das die Rückkehr in eine Wohngemeinschaft und zwar in die Männer-WG, aus der ihr Bruder Simon gerade für seine schwangere Frau Clara (Katharina Schlothauer) ausgezogen ist. Zurückgeblieben sind Jacob und der schwule Nuri (Samy Challah). Jacob arbeitet in einer Bar, bindet sich an keine Frau länger als für eine Nacht und verliebt sich irgendwann in Merlin, die er doch eigentlich schon als Kind unerträglich spießig fand.

Es geht also um Anfang-30-Jährige in Berlin, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen und schließlich in den alten „Gut zu Vögeln“-T-Shirts auf einer Schlager-Party in Palma de Mallorca landen. Überhaupt wird es zwischendurch ziemlich blödsinnig. So nimmt der Klamauk Überhand, wenn Merlin stundenlang mehr schreiend als heulend ihrem Freund nachtrauert oder Jacob in der Badewanne mit Playmobil-Figuren spielt - falls irgendwer noch nicht verstanden haben sollte: Jacob ist eigentlich immer noch ein Kind. Nicht erspart bleiben einem außerdem Sex in der Ballermann-Diskothek hinter einer Plastik-Palme - zumindest fast - und eine Geburt auf der Tanzfläche.

Allerdings wird es wohl auch kaum jemanden geben, der in den 90er Jahren aufgewachsen ist und nicht ganz schnell gute Laune bekommt, wenn Jacob und Simon im Auto eine Kassette einschieben und laut Culture Beats Dancefloor-Hit „Mr. Vain“ mitsingen. Und dann tritt auch noch Oliver Kalkofe als vermeintlicher Abtreibungsarzt mit der falschen Patienten-Akte unterm Arm auf.

So viel sei verraten: Irgendwie kriegen doch alle alles in den Griff. Am Ende gibt es eine Doppel-Hochzeit - ist das noch oder schon wieder anti-romantisch? - unterlegt mit einem Cover von „Ohne dich (schlaf ich heut“ Nacht nicht ein)“. Obwohl nein: Kalkofe hat noch einen Auftritt. Und zwar in seiner alten, aus „Kalkofes Mattscheibe“ bekannten Rolle als Trash-TV-Satiriker.

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