Oldenburg Merhaba heißt übersetzt „Hallo“, „Guten Tag“ oder „Moin“. Der türkische Gruß auf Plakat und Programmheft lädt in diesem Jahr zur Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse (Kibum) ein und dürfte vielen jungen Besuchern im Gedächtnis haften bleiben. Genau das begrüßt Aygen-Sibel Çelik. „Es ist gut, wenn Kinder Wörter aus anderen Sprachen lernen, denn das verändert ihre Haltung gegenüber dem Fremden“, sagt die Autorin.

„Kibum trifft Türkei“ lautet das Motto der Messe. Damit möchten die Veranstalter die Neugier auf das Land am Bosporus wecken. „Das finde ich gut“, lobt Çelik, die 1969 in Istanbul geboren wurde, ehe sie in ihrem zweiten Lebensjahr mit ihren Eltern nach Frankfurt am Main umzog. Gelesen hat Çelik in ihrer Kindheit überwiegend auf Deutsch, erinnert sie sich: „Türkische Bücher standen kaum zur Verfügung, und sie waren damals äußerst unattraktiv.“ Doch das habe sich gewandelt. „Heute schreiben moderne Autoren über Themen, die Kinder bewegen, statt den moralischen Zeigefinger zu heben. Zudem haben sich Aufmachung und Illustration stark verbessert“, weiß die 45-jährige Germanistin und Expertin für Kinder- und Jugendliteratur.

Spiel mit Worten

Zur Kibum reist sie vor allem als Autorin. Aus ihrem Buch „Sinan und Felix“ wird sie bei einer Lesung in Oldenburg vortragen. Darin geht es um eine deutsch-türkische Jungenfreundschaft, um Fußball und die Sprache. „So schwer ist Türkisch eigentlich gar nicht“, sagt Felix am Schluss zu seinem türkischen Freund. „Stimmt“, bestätigt Çelik. Während ihrer Lesungen spielt sie gern mit den Worten, um das junge Publikum neugierig zu machen.

„Wenn mich ein Thema bewegt, schreibe ich darüber“, sagt die Autorin, die in ihren Texten an die Lebenswelt der Kinder anknüpft. Freundschaft wie bei Sinan und Felix, aber auch die Pubertät oder das Kopftuch kommen darin vor. „Wichtig ist, dass wir fremde Kulturen nicht vorführen oder von oben herab behandeln“, betont die Autorin: „Verständnis und Empathie lernen Kinder nirgendwo so gut wie mit Büchern.“ Es gehe nicht darum, immer alles zu erklären, sondern Geschichten zu erzählen. „Ob auf Türkisch oder Deutsch, ist zweitrangig“, meint die Expertin, die ohnehin für Mehrsprachigkeit in Erziehung und Bildung plädiert. Denn Sprachen seien nichts Trennendes. Im Gegenteil: Wegen vieler Gemeinsamkeiten können sie Menschen verbinden. „Auf keinen Fall aber dürfen Sprachen hierarchisch betrachtet werden“, fordert Çelik.

Kulturelle Vielfalt

Dem schließt sich auch Havva Engin an. „Entgegen einer verbreiteten Ansicht stellen die Herkunftssprachen kein Hindernis für die Bildungsintegration von Kindern und Jugendlichen dar“, argumentiert die Heidelberger Erziehungswissenschaftlerin und Leiterin des dortigen Zentrums für Migrationsforschung und Transkulturelle Pädagogik. Denn wer seine Herkunftssprache gut beherrsche, übertrage das Niveau in der Regel auf eine fremde. Ihr Fazit: „Zwei- und mehrsprachige Kinder- und Jugendbücher bringen das kulturelle Kapital einer Gesellschaft zum Ausdruck und spiegeln die kulturelle Vielfalt wider.“

Mit der These von Sprache als Brücke gerade zwischen Kindern kann sich Çelik anfreunden. Die Möglichkeit zum Gespräch zwischen den Kulturen wird die Kibum bieten, wenn sie am 15. November mit einem herzlichen „Merhaba“ eröffnet.

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