WILHELMSHAVEN WILHELMSHAVEN/MW - Wut, Erstaunen und ein Gefühl der Ohnmacht in einer ungerechten Welt hätten ihn nach seinem 30. Geburtstag auf die Bühne getrieben, sagt Hagen Rether. Daher sei es nicht schwer, die Pointen für einen Abend zu finden, sondern vielmehr, sich aufs Wesentliche zu beschränken. Nun das Wesentliche ist relativ. So dauern Rethers Kabarett-Auftritte gewöhnlich mehr als drei Stunden. Da muss die Wut schon kräftig für Magengrimmen sorgen, das nun immerhin eine positive Nebenwirkung zeitigt: Als 20. Künstler erhält der Essener Kabarettist den mit 2500 Euro dotierten Wilhelmshavener Kleinkunstpreis in Form eines bronzenen Knurrhahns.

Die Jury, die ihre Entscheidung gestern bekannt gab, würdigt Rether damit „als Galionsfigur des neuen politischen Kabaretts, der in vornehmer Schärfe und mit charismatischer Ausstrahlung gesellschaftliche Realitäten widerspiegelt“. Rether gewann knapp gegen das umjubelte Gastspiel von Meret Becker und der Gruppe Ars Vitalis. Als weitere Favoriten in der Publikumswertung waren auch Dieter Hildebrandt, Wiglaf Droste und Georg Ringsgwandl in die engere Wahl gekommen.

Der Preisträger, der auf Tournee in München am Telefon von seinem Glück erfuhr, wird den Preis Anfang Dezember bei einem neuerlichen Gastspiel im Wilhelmshavener Kulturzentrum Pumpwerk entgegennehmen.

Rether, 1969 in Bukarest geboren und in Freiburg aufgewachsen, studierte an der Folkwang-Hochschule in Essen Klaviermusik. Seit sechs Jahren ist er mit seinem sich ständig verändernden Programm „Liebe“ unterwegs. Darin bezieht er häufig andere Standpunkte als Kabarettgrößen der 68er-Generation, lobt etwa die sonst mit steter Regelmäßigkeit verspotteten Lehrer. Das interessiert auch ein jüngeres Publikum für politische Satire jenseits aller Comedy und brachte Rether bereits wichtige Szenepreise ein, darunter 2004 den „Prix Pantheon“ und im Jahr darauf den Förderpreis des Deutschen Kleinkunstpreises.

Der „Knurrhahn“ wird jährlich an einen Künstler oder eine Gruppe vergeben, der im Vorjahr mit innovativen Ideen im Pumpwerk überzeugte. Letzte Preisträger waren 2006 das Schweizer Trio „Stage TV“ sowie Volker Pispers 2005. Die Jury hatte in ihrer Sitzung überdies angeregt, dem aufstrebenden Genre der A-cappella-Musik künftig einen eigenen Preis zu widmen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.