München Wie soll man einen Film über Krebs machen, ohne in tiefster Trauer zu versinken? Am besten ohne Berührungsängste und mit viel Humor, gerne tiefschwarz, so wie im Roadmovie „Knockin“ on Heavens Door“ mit Til Schweiger oder in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Nun hat Twilight“-Regisseurin Catherine Hardwicke dieses Thema nach dem Drehbuch der britischen Komödiantin Morwenna Banks verfilmt: Die Krebsdiagnose einer jungen Frau überrascht sie und ihre beste Freundin. Statt Drinks und High Heels gibt es nun Pillencocktail und Chemotherapie im Krankenhaus. Die Tragikomödie „Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ ist witzig, tröstlich und hochemotional, vor allem dank der Hauptdarstellerinnen Drew Barrymore und Toni Collette.

Collette („A Long Way Down“) spielt die hübsche Milly. Sie hat ihre wildesten Zeiten hinter sich und lebt mit ihrem Mann Kit (Dominic Cooper) und ihren Kindern als glückliche Familie. Ihre beste Freundin Jess (Barrymore) kann davon nur träumen. Sie hat mit Jago (Paddy Considine) Sex nach Plan, um endlich schwanger zu werden. Eines Tages dann der Schock: Milly hat Brustkrebs, von der bösartigen Sorte.

Fortan dreht sich alles nur noch um die Krankheit, auch wenn Milly und Jess versuchen, dem Schicksal mit Galgenhumor zu trotzen. Sie flirten mit dem netten, jungen Pfleger, der Milly während der Chemotherapie betreut. Und sie amüsieren sich bei der Suche nach der perfekten Perücke über die Frage: burmesisches oder mongolisches Jungfrauenhaar?

Eigentlich waren für die Rolle der bodenständigen Jess erst Jennifer Aniston, später Rachel Weisz vorgesehen. Dann wurde es am Ende doch Barrymore. Eine Notlösung ist sie aber keineswegs. Collette und sie sind ein amüsantes Freundinnenpaar, verbunden durch Herzlichkeit und trockenen Humor, gepaart mit einigem Eigensinn.

Doch bei aller Fröhlichkeit wird immer wieder klar, dass sich Krebs eben doch nicht einfach weglachen lässt, etwa als Milly ihre Haare abrasieren lässt, weil die kahlen Stellen auf dem Kopf „wie ein Leopard“ aussehen. „Wie ein echt hässlicher Leopard“, bemerkt die Perückenmacherin lakonisch. Milly leidet: „Männer haben eine Glatze, Babys, E.T., aber nicht ich“.

„Er läuft alles rund und man freut sich auf all das, was das Leben noch für einen bereit hält“, beschreibt Regisseurin Hardwicke die Ausgangssituation des Films. „Bis auf einmal eine Krise an die Tür klopft.“ Dann die bange Frage: „Schafft man es, all dem mit einer gehörigen Portion Mut und Humor entgegenzutreten oder reißt es einem den Boden unter den Füßen weg?“

Und so bringt die Geschichte auch die vielen Konflikte zur Sprache, die eine schwere Krankheit mit sich bringt. Milly fühlt sich ihrer kompletten Weiblichkeit beraubt, zumal ihr Mann Kit nicht weiß, wie er damit umgehen soll, dass seine Frau ihre Brüste verloren hat. Die Kinder schwanken zwischen Unverständnis und Angst vor dem Tod. Und Jess kümmert sich so hingebungsvoll um ihre Freundin, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigt - ebenso wie ihren Freund Jago, der seine Eifersucht kaum mehr zügeln kann. Alles dreht sich nur um Milly, so wie immer eigentlich. Jess wird das eines Tages zu viel und ihre allerbeste Freundschaft steht vor dem Aus, mitten in einer Zeit, in der die beste Freundin so wichtig wäre wie noch nie.

Gegen Ende gerät der sonst eher schlicht und unsentimental mit pointierten Dialogen erzählte Film leider aus dem Rahmen. Die emotionalen Höhepunkte häufen sich - sowohl bei Jess, als auch bei Milly. Sie lenken von der eigentlichen Frage ab: Was macht wahre Freundschaft aus und wie kann sie die großen und kleinen Krisen des Lebens überdauern, vielleicht über den Tod hinaus?

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