OLDENBURG Der Intendant sitzt in Reihe 20 und sieht schwarz. Dabei ist Markus Müller nicht unter die Pessimisten gegangen. Im Gegenteil: Fast diebisch freut er sich auf die Wiederaufnahme der „Madama Butterfly“ am 7. November. „Das ist großer Opernstoff, den wir am Fliegerhorst zu einem erstklassigen Klangerlebnis aufbereiten werden“, schwärmt er.

Doch nicht nur akustisch biete die Ersatzspielstätte beste Bedingungen. Müller bringt die schwarze Wand ins Spiel, die extra für die Neuinszenierung gebaut wird. Mit ihren 336 Quadratmetern dient sie als Hintergrund und als Kon­trast zur Bühne. „Das lenkt die Aufmerksamkeit noch mehr auf das Geschehen“, erklärt der Intendant.

Der einzige Wechsel

„Madama Butterfly“ von Regisseurin Anna Bergmann ist die einzige Inszenierung aus dem Repertoire des Oldenburgischen Staatstheaters, die während der Sanierung des Großen Hauses auf den Fliegerhorst wechselt. Offiziell als Wiederaufnahme deklariert, erinnern die umfangreichen Vorbereitungen aber eher an eine Premiere. Das sieht auch Produktionsleiterin Veronika Hoberg so: „Wir haben alles aufgefrischt. Die Bauproben begannen Ende August, die Planungen schon im Frühjahr“, berichtet sie über die Herausforderung, ein seit zwei Jahren bestehendes Stück auf eine neue Spielstätte zu übertragen.

Da die Bühne in Halle zehn viel Raum lässt, hat Hoberg mit ihrem Team die Kulisse kräftig überarbeitet und angepasst. Das gilt vor allem für den japanischen Garten und den Pavillon, wo sich das Liebesdrama zwischen Butterfly (Cio-Cio-san) und dem amerikanischen Marineoffizier Pinkerton abspielt. Puccinis Fernost-Oper von 1904 soll dadurch noch besser zur Geltung kommen.

Noch befinden sich Bühnenbild und Requisiten in der Theaterwerkstatt, ehe sie dann in wenigen Tagen mit fünf Lastwagen zum Fliegerhorst transportiert werden. Dass sich der logistische Aufwand für den „Publikumsliebling“ lohnt, bezweifelt Müller nicht. Mit Blick auf die Dimensionen bezeichnet er die Ersatzspielstätte sogar als das eigentliche „Große Haus“. Mit vielen Vorteilen für die Oper. Sänger und Schauspieler könnten aufgrund der Ausmaße mit Nähe und Distanz besser spielen, Bühnenbilder wirkten nicht mehr so gedrungen.

Das Publikum profitiert durch den tribünenartigen Anstieg der Sitzreihen, da die Bühne von jedem Platz aus komplett zu sehen ist. Für das bessere Klangerlebnis sorgt vor allem der Orchestergraben, der doppelt so groß ist wie der an der alten Stätte. Erheblich mehr Volumen dringt dadurch nach außen, wo die Töne zudem optimal nachhallen. „Diese Chance durften wir nicht vergeben“, findet Müller.

98 Prozent Auslastung

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Die beiden Hauptdarsteller von „Madama Butterfly“ hatten bereits Gelegenheit, sich in der ehemaligen Werkshalle warmzusingen. Und waren voll des Lobes. Denn Irina Wischnizkaja (Cio-Cio-san) und Alexej Kosarev (Pinkerton) sind auch in „Tosca“ feste Größen. Ebenfalls eine Puccini-Oper, die vor wenigen Wochen in Oldenburg Premiere feierte.

Ohnehin kommen die Inszenierungen am Fliegerhorst bisher gut an. Die Auslastung liegt nach Angaben des Staatstheaters bei 98 Prozent. Das Stammpublikum ist geblieben, viele Neugierige lockt das Kultur-Experiment in die ehemalige Flugzeugwerft. Wahrlich keine Gründe, um für diese  Spielzeit schwarz zu sehen.

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