Luzern Der Krimi als Psycho-Drama: Die Schweizer Kommissare ermitteln im nächsten „Tatort“ aus Luzern vor einer Riesenleinwand in ihrem Büro, auf der sie einer jungen Frau beim Verdursten zusehen müssen. Die Frau sitzt in einem Verlies an unbekanntem Ort, und der, der sie eingesperrt hat, wurde erschossen. Die Aufnahmen aus dem Kerker haben die Ermittler auf dem Laptop des Toten gefunden. Die gut 88 Krimiminuten sind ein Wettlauf gegen die Zeit, um die Frau zu retten.

Der Tatort „Ausgezählt“, den das Erste als letzten vor der Sommerpause an diesem Sonntag um 20.15 Uhr zeigt, spielt im Boxer- und Dopingmilieu. Eine durch Doping kranke Boxerin stirbt im Ring an einem Herzinfarkt. Ihre Gegnerin, Martina Oberholzer (Tabea Buser), ist schockiert. Sie will Schluss machen mit dem Dopen und auspacken. Dabei hat sie die Rechnung aber ohne ihren Manager Sven Brügger (Urs Humbel) gemacht.

Die Suche nach der Boxerin kommt filmisch nicht so recht voran. Es tut sich wenig, kaum Action, viel Warten, und lange Einstellungen von Liz Ritschard (Delia Mayer) beim Joggen, Reto Flückiger (Stefan Gubser) beim Nachdenken. So sieht man die Ermittler wenigstens noch einmal prominent. Es ist ihr vorletzter Fall: Die Schweizer „Tatort“-Fälle spielen ab Herbst 2020 in Zürich, mit den neuen Kommissarinnen Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler.

Die Spannung dieses Films liegt mehr in der mysteriösen Beziehung zwischen Ritschard und dem Onkel der entführten Boxerin. Der ehemalige Polizist war ihr Ausbilder. Flückiger spürt einen Loyalitätskonflikt bei der Kollegin, ahnt ein dunkles Geheimnis zwischen den beiden und lässt sich alte Akten kommen.

Flückiger wollte als Kommissar immer eher Sympathieträger, nie „Arschloch“ sein, wie er der Zeitung „NZZ“ kürzlich sagte. In dieser Folge erfüllen die Drehbuchschreiber seinen Wunsch voll und ganz: Er hilft der Kollegin aus der Patsche und bietet ihr auch noch eine Schulter zum Anlehnen an. Dass der Mörder am Ende ein ganz anderer war, dass es noch einen Toten und einen weiteren Täter gibt – es gerät in der Zweierkiste Ritschard-Flückiger fast zur Nebensache.

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