Los Angeles Es sind die späten 80er Jahre in Los Angeles, die zur brutalen Leinwand für den jungen O’Shea Jackson werden. Die weiße Polizeigewalt gegen Schwarze grassiert, Bandenkriege, Drogen und Armut sind Alltag. Perspektivlosigkeit und Wut sind das Gemisch für die schwarze Protestkultur des Gangsta-Rap, die sich in der gesamten Welt Gehör verschaffen wird. Eines seiner wichtigsten Gesichter ist das von Jackson, der sich Ice Cube nennt. Nun wird die Rap-Legende am 15. Juni 50 Jahre alt.

Doch von der einstigen Wut seiner Texte war nichts auf dem nett lachenden Gesicht Ice Cubes zu sehen, als er 2017 bei US-Talker Stephen Colbert saß. Der Mann, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten eher mit Familienkomödien aufgefallen ist als mit Musik, erklärte Colbert, woher sein Name eigentlich stammt: Er habe versucht, mit den Freundinnen seines Bruders zu flirten. Der drohte ihm damit, ihn in eine Gefriertruhe zu stecken, bis er ein Eiswürfel sei. „An dem Tag bin ich aus dem Haus gegangen und habe allen erzählt, dass mein neuer Name Cube ist. Nennt mich Ice Cube.“

Und der Name sollte bald eine Revolution anführen. Als Teil der Gruppe N.W.A. wurde er neben Dr. Dre, Eazy-E, MC Ren und DJ Yella zum Pionier des Hip-Hop an der amerikanischen Westküste. Die zornigen Männer rissen mit ihrem Album „Straight Outta Compton“ 1988 die Regeln des Musik-Business ein, rappten raue Texte über Drogen, Sex und die Gewalt der Straße. Die Jungen stürzten sich auf die Musik, die Alten blieben geschockt zurück.

Doch Ice Cube überwarf sich mit N.W.A. Er machte solo weiter. Sein Debütalbum „AmeriKKKa’s Most Wanted“ von 1990 erzählt dicht gewoben die Geschichte eines Jungen aus dem Ghetto. Der Blog „passionweiss“ schrieb darüber: „Wie Mike Tyson 1985 kam Ice Cube mit großen Schwingern in jedem Song und schlug in Sekunden alle k.o.“. Auch bei den Folgealben hielt der Erfolg an.

Ice Cubes Texte wurden nicht nur als besonders intensiv und smart angesehen, sondern überschritten auch immer wieder Grenzen. So wurden ihm teils schwulenfeindliche und antisemitische Sprache sowie Rassismus und Frauenfeindlichkeit vorgeworfen.

Doch in seiner zweiten Karriere, für die es ihn aus dem Süden von Los Angeles nur wenige Meilen nach Norden Richtung Hollywood zog, wurde Ice Cube um die Jahrtausendwende herum familienfreundlicher. Eine Reihe von Komödien wie „Sind wir schon da?“ (2005) oder „21 Jump Street“ (2012) waren genau so flach wie erfolgreich. Ice Cube mag durch sie einen Haufen Geld verdient haben, verlor allerdings auch seine einstige Street Credibility, die Anerkennung der Straße.

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