Los Angeles Auf dem roten Teppich bei der Golden-Globe-Gala könnte es Anfang Januar ungewöhnlich düster zugehen. Schwarze Abendkleider statt Glitter und Farbe, werden am 7. Januar wohl den Ton angeben, verlautete es aus Hollywood. Nicht aus modischen Gründen, sondern in Zeiten der #MeToo-Bewegung als Protest gegen sexuellen Missbrauch.

Nominierte Schauspielerinnen und viele weibliche Stars, die auf der Bühne Auszeichnungen überreichen, wollten damit ein Zeichen setzen, brachten das Branchenblatt „Hollywood Reporter“ und das „People“-Magazin vorab in Erfahrung.

Die Weinstein-Affäre wirbelt die bevorstehende Preis-Saison kräftig durcheinander. Die Lawine von Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs gegen den einst mächtigen Filmmogul Harvey Weinstein riss in den vergangenen Monaten Dutzende Filmschaffende mit in die Schlagzeilen. Männern wie Kevin Spacey, Dustin Hoffman, Brett Ratner und Jeffrey Tambor werden Übergriffe und Machtmissbrauch vorgeworfen. Sie werden sich auf dem roten Teppich wohl nicht blicken lassen. Weinstein wies über sein Sprecher-Team mehrfach Vorwürfe von „nicht einvernehmlichem Sex“ zurück.

Normalerweise würde Weinstein jetzt die Werbekampagnen für Preisanwärter anheizen, nun ist der oscarprämierte Produzent die Persona non grata schlechthin. Sein rasanter Absturz und die weltweite Debatte über Sexismus lässt Frauen im Filmgeschäft hoffen, dass Hollywoods alte Machtstrukturen endlich aufbrechen. Bei der Verleihung der SAG-Awards (Screen Actors Guild Awards, am 21. Januar) setzen die Veranstalter erstmals komplett auf Frauen-Power.

Alle 13 Preise, die Hollywoods Schauspielverband vergibt, sollen auf der Gala-Bühne von weiblichen Stars überreicht werden. Auch die Moderation übernimmt eine Frau, Schauspielerin Kristen Bell. In Hollywood habe man immer schon über Gleichberechtigung geredet, sagte Bell kürzlich. „Jetzt sind Mega-Scheinwerfer darauf gerichtet, und hinten geht das Feuerwerk ab.“

Nominiert sind unter anderem Schauspieler wie Frances McDormand, Judi Dench, James Franco und Denzel Washington. Die SAG-Awards gelten als Vorboten für die Anfang März anstehende Verleihung der Oscars, die Nominierungen für Hollywoods höchste Preise werden am 23. Januar verkündet.

Schon bei den Golden-Globe-Nominierungen waren Auswirkungen zu spüren: Kevin Spacey etwa musste seine Preis-Hoffnungen für „Alles Geld der Welt“ begraben. Spacey, der in dem Entführungsdrama den Ölmilliardär Jean Paul Getty spielte, wurde von Christopher Plummer ersetzt. Regisseur Ridley Scott schnitt alle Szenen mit Spacey aus dem bereits fertigen Film heraus, nachdem Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den „House of Cards“-Star bekanntgeworden waren.

Bis zur Oscar-Vergabe wird der Weinstein-Skandal kaum vom Tisch sein. Er werde das auf der Oscar-Bühne wohl ansprechen, so Show-Moderator Jimmy Kimmel unlängst. „Es ist wirklich nichts zum Lachen“, sagte der Komiker.

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