Los Angeles Als Bankräuber wurde Robert Redford vor 50 Jahren zum führenden Hollywood-Star. In der Western-Komödie „Zwei Banditen“ (Originaltitel: Butch Cassidy and the Sundance Kid) überfiel er zusammen mit Paul Newman Eisenbahnen und Banken. Der Film über die charmanten Räuber Butch und Sundance zählte damals zu den größten Kassenerfolgen. Mit 82 Jahren – am Ende seiner Schauspielkarriere – zückt Redford in „Ein Gauner & Gentleman“ jetzt wieder seine besten Waffen.

Das charismatisch-umwerfende Lächeln hat der ergraute Star immer noch drauf, auch wenn die strahlend blauen Augen nun von vielen Fältchen umgeben sind. Es ist der perfekte Look für den in die Jahre gekommenen Bankräuber Forrest Tucker, der seine Beutezüge statt mit Schüssen und Blutvergießen mit entwaffnender Höflichkeit ausführt.

„Basierend auf einer fast wahren Geschichte“, heißt es im Vorspann des Films. Tatsächlich war der Karriereverbrecher Tucker (1920–2004) als Ausbrecherkönig, für seine Gentleman-Manieren und durch Überfälle bis ins hohe Alter bekannt. Mit Hut und Mantel betrat er gewöhnlich die Bank, höflich forderte er am Schalter die Dollarnoten ein, die Pistole ließ er oft in der Tasche stecken.

Lässig und elegant räumt Redford auf diese Weise in seinem möglicherweise letzten Film eine Bank nach der anderen aus. „Ich dachte, es wäre wunderbar, wenn mein letzter Film skurril, peppig und lustig sein würde“, sagte Redford im vorigen September nach der Premiere beim Filmfestival im kanadischen Toronto. Tucker habe Spaß an seinem Gaunerleben gehabt. Eine Rolle, die Redford offenbar gut nachvollziehen konnte. Er selbst habe von klein auf eine rebellische Seite gehabt und sich immer wie ein Außenseiter gefühlt, sagte der Schauspieler dem „San Francisco Chronicle“.

In „Ein Gauner und Gentleman“ hat Redford prominente Komplizen. „Lethal Weapon“-Star Danny Glover (72) und Kultsänger Tom Waits (69) spielen alte Haudegen, die ihm bei größeren Beutezügen helfen. So gewieft und erfolgreich das Trio seinen Job macht, so verbissen ist der Polizist John Hunt (Casey Affleck) den Räubern auf den Fersen. Auch der Detektiv kann sich Tuckers Charme nicht ganz entziehen. In einer wohl einmaligen Gaunerkomödien-Szene kreuzen sich die Wege von Verfolger und Verbrecher auf einer Toilette.

Mit Sissy Spacek in der Rolle der Farmbesitzerin Jewel steht Redford eine starke Frau gegenüber. In cleverer Bankräubermanier lernt er sie auf der Flucht vor der Polizei kennen. Nach einer Panne mit ihrem Truck ist sie am Straßenrand liegengeblieben, er offeriert charmant seine Hilfe und täuscht damit die vorbeirasenden Cops.

Natürlich ist dem notorischen Verbrecher und der einsamen Rancherin keine Liebesgeschichte mit Happy End beschieden. Doch „Ein Gauner und Gentleman“ lässt viel Raum für Romantik und Gespräche über Leidenschaft und den Sinn des Lebens. Actiongeladene Verfolgungsjagden gibt es nur am Rande, Spannung erzeugt der rebellische Geist des Gentlemans.

Mit Redford hat US-Regisseur David Lowery den perfekten Darsteller gefunden. Lowery drehte mit dem Star zuvor schon das Fantasymärchen „Elliot, der Drache“. Die Gaunerkomödie ist nun eine wahre Hommage an die Kinolegende: Die Kamera verweilt genüsslich in Redfords faltigem Gesicht. Eine Rückblende über Tuckers lange Verbrecherkarriere bestückt Lowery mit echten Fotos des jungen Redford.

„Ein Gauner und Gentleman“ ist ein würdiger Abschied von einer langen Schauspielkarriere, die allerdings nie mit einem Darsteller-Oscar bedacht wurde. Als Schauspieler war Redford nur einmal für seine Rolle als Trickbetrüger in der Ganovenkomödie „Der Clou“ (1974) nominiert. Seinen einzigen Oscar erhielt er 1981 als Regisseur für sein Spielfilmdebüt „Eine ganz normale Familie“.

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