Oldenburg Afrika erzählt, und die Mädchen und Jungen im Nordwesten Deutschlands hören gespannt zu. „Kinder sind neugierig. Sie wollen wissen, was ihre Altersgenossen in fernen Ländern essen, wie sie spielen und wo sie wohnen“, bemerkt Regina Riepe. Auch sie hat der Kontinent nicht mehr los gelassen, seit sie vor 30 Jahren als Entwicklungshelferin in Kamerun arbeitete: „Dass die Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse Kibum Afrika zum Schwerpunkt erklärt hat, ist eine große Aufwertung.“

Die 57-jährige Psychologin aus Haan im Rheinland beschäftigt sich seit drei Jahrzehnten mit Literatur aus und über Afrika. „Bücher bieten eine große Chance, den Kindern altersgerecht ein differenziertes Bild zu vermitteln“, sagt sie. Vor allem die persönliche Begegnung mit den Autoren setze wichtige Impulse. Denn die afrikanische Erzähltradition sei bunt, fröhlich und sehr poetisch.

Doch was unterscheidet gute Literatur zum Thema von schlechter? „Wenn Afrika nur als exotische Kulisse benutzt wird, zeugt das nicht von Qualität“, erläutert die Fachfrau. „Gute Bücher dagegen erzählen interessante Geschichten, begegnen den Menschen mit Respekt und lassen sie zu Wort kommen.“ Als Beispiel nennt Riepe „Marie hat jetzt Stachelzöpfe“ von Sylvia Schopf. Es handelt von Marie und ihrem afrikanischen Cousin Issa. In der ersten Geschichte besucht Marie Issa in Burkina Faso, in der zweiten ist es umgekehrt. So wechselt die Perspektive, statt von oben herab auf das Kind in Afrika zu blicken. Afrika ist schließlich mehr als Hungersnöte, Krieg und Aids, aber die großen Probleme dürfen nach Riepes Meinung wiederum nicht ausgeklammert werden. Lebensfreude, Kummer und Sorgen gehörten dort ebenso zum Alltag der Jugendlichen wie in Deutschland.

„Ich selbst bin mit ganz anderen Afrika-Geschichten aufgewachsen“, erinnert sich der Kibum-Gast. Die Erzählungen mit kolonialistischen oder rassistischen Untertönen, in denen die Hautfarbe eine zentrale Rolle spielte, gehörten jedoch weitgehend der Vergangenheit an. Leicht haben es Afrika-Bücher hierzulande dennoch nicht. „Sie erscheinen oft in kleiner Auflage in Nischenverlagen und müssen um Aufmerksamkeit kämpfen.“

In Afrika selbst sieht es oft nicht besser aus. „Die Kinder lesen gern, aber eine Lesekultur scheitert meist am Geld“, berichtet Riepe. Es besteht in vielen Ländern kein Markt für Literatur. Dennoch ändere sich zurzeit etwas, bemerkt die Expertin. „Immer mehr Afrikaner treten selbstbewusst an die Öffentlichkeit und machen auf sich aufmerksam.“ Wenn sie dann Gehör finden, wie auf der Kibum, sei dies umso besser.

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