Frage: Frau Thalbach, seit wann kennen Sie den Zeichner und Grafiker Horst Janssen?
Thalbach: Der Name ist mir selbstverständlich ein Begriff, aber als Schriftsteller kenne ihn gar nicht richtig. Das Schöne an meinem Beruf ist allerdings, dass er einen ganz sanft über solche Anfragen, wie die vom Horst-Janssen-Museum, an Schriftstellerinnen und Schriftsteller heranführt, mit denen ich mich noch nicht eingehend beschäftigt habe. Kürzlich habe ich beispielsweise für Arte eine 90-Minuten-Doku über Hölderlin gesprochen. Tatsächlich hatte ich von Hölderlin zuvor noch nichts gelesen und musste mich vorab schnell informieren, wie man das so macht in den Zeiten des Internets. Auch drei, vier Gedichte habe ich gelesen. Und meine erste Reaktion war: Nee, das ist nicht meins. Als ich aber im Studio saß und im Zuge der Dokumentation begriffen habe, wer Hölderlin ist und wie er seine Dichtung meint, hat sich mir eine Welt aufgetan. Ich gehe davon aus, dass mir das mit Horst Janssen genauso ergehen wird.
Frage: Das heißt, dass Sie noch gar nicht wissen, was Sie lesen werden?
Thalbach: Genau.
Frage: Der Text oder die Texte werden Ihnen vorgegeben?
Thalbach: Ja, das ist oft so. Es sei denn man hat sehr viel Zeit – hätte ich gern, denn das ist sehr romantisch –, um sich einem Werk zu widmen und sich selbst die Rosinen herauszupicken. Aber die Zeit habe ich leider nicht. Ich spiele Theater, ich drehe Filme, trete in Shows auf, gebe Radio-Interviews, bin wahnsinnig viel unterwegs – ich muss daher die kurzen Wege gehen.
Frage: Dann kann es auch sein, dass Ihnen Janssen als Schriftsteller gar nicht gefällt?
Thalbach: So ganz ins Blinde entscheide ich natürlich nicht über meine Termine. Aber selbst wenn er mir nicht gefallen würde, wäre es meine Aufgabe und Teil meines Berufes, mich dem Text zu stellen. Das ist genau wie beim Theaterspielen: Das Publikum kann nichts dafür, dass ich gerade Ärger mit meinem Vermieter habe oder mein Hund krank ist. Da muss man zurückstecken. In erster Linie geht es darum, das Publikum zu unterhalten, ihm eine Welt zu öffnen und sei es auch nur eine kleine. Texte, die einem gar nicht so zusagen, dennoch gut zu lesen, ist eine ganz besondere „Challenge“, wie man heute sagt.
Frage: Sie sind als Schauspielerin, aber auch als Hörbuchsprecherin mehrfach ausgezeichnet worden. Was ist Ihnen wichtiger?
Thalbach: Für mich ist alles, was ich als Künstlerin tue, gleich wichtig. Preise dagegen nicht. Ich fühle mich aber sehr privilegiert, wie ich leben darf, denn viele Kollegen und Kolleginnen können das nicht. Ich habe ganz viele Spielplätze, und das empfinde ich als großes Geschenk.
Frage: Sie wurden in eine berühmte Theaterfamilie hineingeboren. Ist das eher von Vorteil oder eher eine Last?
Thalbach: Wie immer im Leben hat alles zwei Seiten. Kindern aus Akademikerfamilien, Anwaltsfamilien oder Arztfamilien könnte man genau die gleiche Frage stellen.
Frage: Beantwortet haben Sie die Frage damit allerdings nicht.
Thalbach: Das wechselt. In erster Linie bin ich sehr stolz auf meine Familie.
Frage: Ihre Tochter ist ebenfalls in diese Fußstapfen getreten.
Thalbach: Ja, allerdings geht sie auch ihren eigenen Weg. Und ich glaube, dass man die Fußstapfen auch gar nicht mehr erkennen kann, so ausgelatscht sind die schon.
Frage: In Kürze stehen Sie in Südtirol vor der Kamera.
Thalbach: Dort drehe ich den „Landkrimi Tirol“, eine Koproduktion von ZDF und ORF. Wann der Film ausgestrahlt wird, weiß ich noch nicht. Vielleicht nehme ich etwas von Horst Janssen mit nach Tirol und lese ihn in den Drehpausen.

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Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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