OLDENBURG „Meine Geschichte ist nicht angenehm, sie ist nicht süß und harmonisch wie die erfundenen Geschichten, sie schmeckt nach Unsinn und Verwirrung, nach Wahnsinn und Traum wie das Leben aller Menschen, die sich nicht mehr belügen wollen.“ Mit diesem Zitat von Hermann Hesse (1877–1962) beginnt „Demian“ im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Was folgt, sind 90 packende Minuten, in denen sechs großartige Schauspieler die Seelenqualen des jungen Emil Sinclair (Rüdiger Hauffe) sichtbar machen. Gegen dieses kurzweilige Theaterstück ist jede Deutschstunde langweilig.

Es war der Wunsch des Autors, dass sein Buch „Demian“ (1919) nicht in eine Theaterversion übertragen werde. Den Erben von Hesse sei Dank für die Genehmigung, nun, fast 100 Jahre später. Regisseurin Krystyn Tuschhoff gelingt eine fesselnde Inszenierung, die sich ganz nah an den Originaltexten bewegt, ohne dabei verstörend zu wirken. Das Staatstheater empfiehlt das Stück ab 14 Jahren, obgleich Schüler ab der 10. Klasse – sowie natürlich Erwachsene – wohl das Idealpublikum sein dürften.

Das Schauspiel ist aufgelockert mit vielen Reizen, Bildern und Metaphern. Zu den eindrucksvollsten Einfällen zählt sicher die Bühne (Uta Materne) selbst. Eine hohe Theke, die die Schauspieler oft mühsam überwinden müssen, begrenzt auf drei Seiten die helle, erlaubte Welt des Emil Sinclair. „Hier herrscht Ordnung!“, ruft Vater (Thomas Birklein), haut in die Klaviertasten und schmettert mit Mutter (Eva Maria Pichler) und Schwester (Sarah Bauerett) ein Lied über die Bibel. Sie summen noch, als Sohn Emil längst in der sündigen, verbotenen Welt dem Satan Franz Kromer (Sebastian Herrmann) die Hand gereicht hat.

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„Alles wird gut. Möchtest du ein Stück Schokolade?“, flötet Mutter und trällert: „Eins, zwei, der Demian kommt vorbei.“ Demian (Eike Jon Ahrens), dieser sonderbare, verführerisch-erotische Dämon vertreibt zwar den Kromer aus Sinclairs Leben. Aber gut wird deshalb noch lange nichts. Denn der Weg, der zu einem selbst führt, ist holprig und uneben.

Regisseurin Krystyn Tuschhoff erzählt mit großer Leichtigkeit und tiefem Ernst. Ihre Bilder sind so schlicht wie brillant. Eine Fratze wird abgeschminkt und – schwups – ist der Satan ein Christbaum, irrwitzig mit Lametta dekoriert. Statt Wein wird Sprühsahne geschluckt und Kuchen gemampft. Rauchend schlägt die junge Meute Beats auf Bass und E-Gitarre an, bis Mutter das Spektakel mit einer Ohrfeige beendet. – Am Schluss des Abends gab es begeisterten Applaus.

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