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Zahlen stark gestiegen
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Oldenburg Ständig die Türen des Ateliers für Besucher zu öffnen, dürfte wohl jeden Künstler überfordern – und von der Arbeit abhalten. Aber alle zwei Jahre ein Wochenende für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen – das sollte wohl zu schaffen sein. Die „Offenen ARTEliers“ jedenfalls sind bei Publikum und Künstlern gleichermaßen beliebt.

Zumal sich der Aufwand lohnt. Die Besucherzahl hat sich seit der ersten Aktion im Jahr 2004 fast verdoppelt. Mehr als 10 000 Kunstinteressierte haben sich nach Angaben der Veranstalter 2013 auf den Weg in die Ateliers und Werkstätten gemacht. „Und etwa 50 Prozent der Künstler verkaufen auch etwas“, sagt Metall-Bildhauerin Renate Ruck. „Die wenigsten kommen mit einer Vorkenntnis als Sammler“, ergänzt die Malerin und Oldenburger BBK-Vorsitzende Martina van de Gey. „Die Leute kaufen ein Bild für Zuhause.“ Für einen Künstler dürfe das natürlich kein Kriterium sein.

Dennoch arbeiten die meisten von ihnen ganz gezielt für dieses eine Wochenende, um dem Publikum etwas präsentieren zu können. Rund 180 Personen hat etwa Renate Ruck bei den „Offenen ARTEliers“ vor zwei Jahren in ihrem Atelier in Harbern I/Wardenburg begrüßen können. „Ich zeige dann auch die Filme, die von meiner Arbeit gedreht wurden“, erzählt die Künstlerin, die für Wardenburg ein großes Metallobjekt geschaffen hat.

Das Interesse der Besucher ist groß, auch bei den älteren und auch an abstrakter Malerei, wie Martina van de Gey erlebt hat. Viele nutzten die Gelegenheit, mit dem Künstler, aber auch mit anderen Besuchern ins Gespräch zu kommen. Manche Künstler, wie etwa die Bildhauerin Barbara Meichsner-Drobinski, lassen sich auch bei der Arbeit über die Schulter schauen. „Ich habe meinen Stein dort stehen, an dem ich gerade arbeite, und die Werkzeuge.“ Wer Fragen hat, bekommt bereitwillig Antworten von ihr.

Wer sich im Atelier für eines der Kunstwerke entscheidet, muss nicht unbedingt gleich die ganze Kaufsumme auf den Tisch legen, ein Handschlag allein reicht allerdings auch nicht. „Eine Anzahlung muss schon sein“, sagt Martina van de Gey, „ich habe zwar eine gute Menschenkenntnis, aber jemandem, den ich gar nicht kenne, würde ich kein Bild mitgeben.“ Barbara Meichsner-Drobinski hat für diese Fälle immer einen vorgefertigten Kaufvertrag vorliegen: „Den lasse ich unterschreiben, und dann ist das für mich okay.“ Das Objekt oder Bild kann der Käufer allerdings erst mitnehmen, wenn er das Geld mitbringt oder überweist.

Dafür sind alle drei Künstlerinnen bereit, sich auf Ratenzahlungen einzulassen. „Das habe ich schon oft gemacht“, erzählt Renate Ruck. Es freue sie sehr, wenn Privatpersonen ein Kunstwerk so schön finden, dass sie es gern erwerben möchten, selbst wenn sie es nicht sofort bezahlen können: „Ich finde das toll. Mir geht da immer das Herz auf.“

Nicht unüblich ist es auch, ein Kunstwerk erst einmal mitzunehmen und auszuprobieren, ob es zu Hause überhaupt passt. Gegebenenfalls kann es der Käufer dann auch wieder zurückbringen. Fast wie beim Online-Händler Zalando? „Nein, nein“, wehrt Marina van de Gey lachend ab. „Wir bringen auf Wunsch eine kleine Kollektion an Kunstwerken vorbei, also eher wie bei der Avon-Beraterin.“

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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