Oldenburg Mit „Portrait II“, der aktuellen Schau im Kunstverein, begegnen uns im Gefolge der „Portrait“-Ausstellung von 2015 zehn Antwortversuche, formuliert von elf auch jüngeren Fotokünstlerinnen und -künstlern.

Da sind etwa die Arbeiten von Zoltan Jokay, Porträts von Kindern in ihrer vertrauten Umgebung, die in Farbigkeit und Faktur nach den Fünfzigern riechen. Die Fotos entstanden direkt nach der Wende in der DDR, wo Jokay aufwuchs, sie atmen Erinnerung und Zukunft gleichermaßen.

Die Kuratoren Laurenz Berges und Gertrud Wagenfeld-Pleister haben Jokay neben Janina Wick gehängt. Ihre sensiblen Studien von Mädchen an der Schwelle zum Dasein als Diva künden – vom Bett im Hintergrund grüßt noch der Kuschelteddy – von Respekt und Einfühlungsvermögen.

Eröffnung

Die Ausstellung „Portrait II“ mit Arbeiten von elf Fotografen wird an diesem Freitag um 19.30 Uhr im Oldenburger Kunstverein (Damm 2a) eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 7. Januar 2018.

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 14–18 Uhr, sonnabends und sonntags 11–18 Uhr.

Zusammen mit den Fotos direkt gegenüber entsteht ein reizvoll reibender Dreiklang: Annette Kelm, eine der Angesagtesten, betreibt Fotografie nüchtern als Faktenvermittlung, kein Hintergrund, null Narration. Bei der jungen Frau etwa, die sie in sechs Aufnahmen protokolliert, ist nicht einmal der Blick der Augen zu erkennen; allein die Variationen in der Haltung des Kopfes besorgen Reiz und Rätselhaftigkeit.

Daneben springen einen die vor Subjektivität berstenden Fotografien von Tobias Zielony, eines weiteren Stars der Szene, fast schon brutal an. Seine Abbildungen des Kreuzberger Nuttenmilieus sind voll bedrängender atmosphärischer Dichte; die (zu) jungen Frauen, das Schummerlicht, der verwaiste Kontaktplatz in nächtlicher Kälte bezeugen den künstlerischen Blick des sorgfältig Dokumentierenden ebenso wie seine soziale Kompetenz. Auch der Österreicher Georg Gatsas bildet in seinen Fotos junger Migranten Wirklichkeit ab. Doch wo Zielony noch über ästhetische Gehalte brütet, hat Gatsas schon dreimal den Auslöser gedrückt; seine Helden treffen uns taff und direkt wie sonst keine.

Die tschechische Künstlerin Jitka Hanzlová und der bereits 2015 vertretene Albrecht Fuchs inszenieren Menschen in Umfeld und Landschaft. Dabei präsentiert Hanzlova einen kaleidoskopischen Querschnitt aus ihrem Schaffen, Fuchs hingegen eine Auswahl aus einer Serie mit Künstlerporträts. Laura Bielau, eine Rautert-Schülerin, überrascht mit kühn komponierten Arbeiten und klassisch strenger Schönheit.

Zwei Werkgruppen fallen besonders auf: Zum einen die Schwarz-Weiß-Fotografien des Amerikaners Ted Partin, Silbergelatine-Abzüge nach Aufnahmen mit einer 8 x 10-Zoll-Plattenkamera nach extrem langer Belichtung. Zum anderen die Serie „Passengers“ des Düsseldorfer Künstlerpaares Dagmar Keller und Martin Wittwer. Aufgenommen durch die verregneten Scheiben von Bahnen und Bussen, spielen die Fotos der schlafenden, sinnierenden Passagiere ihr virtuoses Spiel mit Innen und Außen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.