Die Ausstellung „Franz Radziwill. 125 Werke zum 125. Geburtstag“, die im Oldenburger Schloss noch immer auf ihre ersten Besucher wartet, zeigt zweierlei. Zum einen bietet sie einen Parcours durch das Gesamtwerk des Künstlers: Von den impressionistischen Anfängen in Bremen, über die Suche des Malers nach seinem eigenen Stil und die expressionistische Arbeiten – bis hin zu dessen Hauptwerken im Stil des Magischen Realismus, durch die Franz Radziwill zu internationaler Geltung und Wertschätzung gelangte.

Doch die Ausstellung bietet auch einen Einblick in die Sammlungsgeschichte des Landesmuseums: Schon bei der Eröffnung des Museums vor knapp hundert Jahren, im Februar 1923, war der Künstler aus Dangast mit einem Werk vertreten: Sein Schaffen gehörte damit zum Fundament der im Eröffnungsjahr des Museums gegründeten „Modernen Galerie“ im Oldenburger Schloss.

Auch Sammlungen und Kunstwerke haben ihre Schicksale. Zu den „goldenen Zeiten“ des Landesmuseums gehörte der konsequente Aufbau und Ausbau der Sammlung während der Weimarer Republik: Trotz – bis heute – äußerst bescheidener Ankaufsmittel konnten zwischen 1926 und 1931 bedeutende Gemälde Radziwills für die Sammlung erworben werden: 1921 das beliebte, an Albrecht Dürer erinnernde, kleine „Rasenstück“ (1924), dann 1931 das – ebenso durch seine Realistik verblüffende – Gemälde „Das Fenster meines Nachbarn“ (1930).

Im Gegensatz zu diesen beiden Meisterwerken, die heute zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen, „fehlen“ die Gemälde „Deich mit Hecks“ (1922) und „Bankhausgarten“ (1924), die 1937 von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt worden sind: Die farbstarke Dangaster Deichlandschaft, die 1926 durch die Oldenburgische Museumsgesellschaft erworben worden war, wurde im Auftrag der nationalsozialistischen Kulturpolitiker nach ihrer Beschlagnahmung zerstört.

Von diesem Gemälde vermitteln jedoch ein erhaltenes Schwarzweiß-Foto sowie eine Aquarell-Vorstudie einen Eindruck. Von dem Gemälde „Bankhausgarten“ ist indes nicht einmal ein Foto bekannt – nur die Notiz auf einer alten Karteikarte erinnert an dieses Gemälde: „An einem dunklen Klinkergebäude vorbei sieht man auf das weiß geputzte, durch Gesimse gegliederte Gebäude der Kommerz- und Privatbank. (…) Eine orangefarbene Tür öffnet die Mauer rechts, die von tonigen Häusern und einem Baum im Hintergrund überragt wird“, heißt es in der Beschreibung des Gemäldes, das bis heute verschollen ist.

Umso wichtiger war es, dass das Sammeln der Werke Franz Radziwills nach 1945 weiterging: Anlässlich seines 80. Geburtstags erwarb das Land Niedersachsen vier Gemälde des Künstlers, er selbst gab fünf weitere als Schenkung hinzu. Kostbare Schenkungen erhielt das Landesmuseum auch von den Olden-burger Sammlerinnen und Sammlern Elisabeth und Wilhelm Wielandt (1955), Ernst und Hanneliese Beyersdorff (1984), Georg Düser (2007) und Jan Ahlers (2014). All diese Werke sind nun in der Ausstellung vereint.

Durch eine großzügige Geldspende konnte zuletzt 2019 ein bedeutendes Gemälde erworben werden: Im Juni vergangenen Jahres ist es gelungen, das bezaubernde Bild „Stiefmütterchen. Saxifraga und Viola tricolor“ (1930) auf einer Auktion für das Landesmuseum zu ersteigern. Trotz der bescheidenen Maße des Gemäldes hat es das Format, das neue Lieblingsbild der Besucherinnen und Besucher zu werden.

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