Oldenburg Dicht an dicht, neben- und übereinander hängen sie an tomatenrot gestrichenen Wänden, bis fast unter die Decke, klein- oder großformatig, in schweren Goldrahmen oder ganz „nackt“, vom Kupferstich bis zur Farbfotografie: „Perlen“ der Oldenburger Kunstsammlung, aufgereiht in einer undogmatischen, auf den begrenzten Platz abgestimmten „Petersburger Hängung“.

Jubiläumsschau

Die Ausstellung „Perlen der Kunstsammlung – Von Dürer, Radziwill zu Reimann“ ist Teil der großen Jubiläumsschau „100 Jahre Stadtmuseum Oldenburg“ und bis 22. Februar in der Neuen Galerie zu sehen. Katalog: 8 Euro

Am 1. Januar 1915 hatte die Stadt das Vermächtnis des Oldenburger Sammlers und Kunstmäzens Theodor Francksen (1875–1914) übernommen.

Geöffnet: dienstags bis sonntags 10–18 Uhr.

Infos unter  www.stadtmuseum-oldenburg.de

Zum 100-jährigen Bestehen des Stadtmuseums hat Sabine Isensee, Leiterin der Abteilung Bildende Kunst, die Bestände durchforstet und bietet einen Streifzug durch die Kunst- und Stadtgeschichte von 1500 bis ins Jahr 2002.

85 Exponate hat sie ausgewählt, die zum Teil im Dialog miteinander stehen, wie etwa der „Don Quichotte“ von Richard Edmund Flatters (Öl auf Holz, 1850), der ohne Rüstung auf dem Boden hockt, mit der gleichnamigen kubistischen Bronze von Anna Maria Strackerjan (1967).

Gut ein Viertel der Arbeiten stammt aus der Sammlung des Oldenburger Mäzens Theodor Francksen (1875– 1914), ein überaus reicher, aber auch überaus kunstsinniger Mann, der als Zehnjähriger an Tuberkulose erkrankte und im Alter von 39 Jahren starb. Für seine Sammelleidenschaft gab er ein Vermögen aus: 7000 Grafiken und 1500 Gemälde umfasst seine Sammlung, für die er mehrfach nach Italien reiste und mit der das Museum heute noch glänzen kann, etwa mit den kompletten Radierzyklen von Goya und Klinger.

Das Blatt „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ („Los Caprichos“, 1797/98) von Goya ist einer der ersten Höhepunkte der kleinen, feinen Ausstellung, die hochkarätig startet: mit einem muskelbepackten „Herkules am Scheideweg“ von Albrecht Dürer (1498/99). Aber Francksen mochte es auch moderner, etwa mit dem Zyklus „Ein Weberaufstand“ von Käthe Kollwitz (1897) oder Max Liebermann („Lesendes Mädchen“, 1896). Auch die „Brücke“-Maler in Dangast blieben dem Kunstkenner nicht verborgen: Erich Heckel ist mit der „Mühle bei Dangast“ (1907) vertreten, Karl-Schmidt-Rottluff mit einem Selbstbildnis von 1908.

Die nachfolgenden Museumsdirektoren gaben sich alle Mühe, das Erbe fortzusetzen und sahen sich bevorzugt in der regionalen Kunstszene um. So finden sich bekannte Namen wie Jan Oeltjen, Gerhard Bakenhus und Alfred Bruns, aber auch Franz Radziwill mit einem neusachlichen Stillleben und Kompositionen von Max Herrmann.

Je weiter die Zeitleiste voranschreitet, desto größer werden die Formate, und desto schwerer ist es, die Hängung aufrechtzuerhalten. Kontraste, nicht Dialoge beherrschen das Bild. So trifft etwa Udo Reimanns auf Hochglanz polierter „Adler im Fallflug“ (1973) auf ein fettes Paar, das sich mit Essbarem vollstopft: Adam und Eva am „Kalten Büfett“ von Paul Lankes (Ölgemälde, 1983). Der expressiven Völlerei folgt zum Abschluss die Askese: der schlichte Bistrotisch des Lübecker Fotografen Oliver Godow von 2002.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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