Köln Zu Begrüßung streckt Ralf König die Hand aus. Erst im letzten Moment fällt ihm ein: „Ach ja, dürfen wir ja nicht mehr!“ Genau solche kleinen Beobachtungen liefern ihm das Material für die Comics, die er seit Beginn der Corona-Krise auf seinem Facebook-Account veröffentlicht. Am Samstag, 8. August, wird der Comiczeichner 60 Jahre alt.

Corona habe seiner Kreativität einen Schub versetzt, erzählt König. „Soviel Spaß und Freude hatte ich seit vielen Jahren nicht mehr. Ich weiß um das Elend, aber persönlich fand ich es erholsam: Kein Auto fuhr mehr in der Kölner Innenstadt, und ein Restaurant, in das ich öfters gehe, verkaufte 1-Euro-Eintöpfe für Obdachlose.“ Bisher war sein Prinzip immer, keine Comics gratis anzubieten, schließlich sollen die Leute seine Bücher kaufen. Doch in der Corona-Krise ist er davon abgewichen. Zum einen erhofft er sich einen Werbeeffekt, weil die Facebook-Comics wirklich durch die Decke gegangen seien. Zum zweiten reizt ihn das tagesaktuelle Arbeiten.

König, geboren in Soest in Westfalen, zeichnet schon seit 40 Jahren. Sein Durchbruch kam 1987 mit „Der bewegte Mann“, verfilmt mit Til Schweiger. Mitte der 90er versuchte das bayerische Landesjugendamt noch, Bücher von ihm zu indizieren. Die Kritik kommt mittlerweile aus einer anderen Ecke: Ein Wandbild, das nach einem Entwurf von ihm auf eine Hausfassade in der Comic-Kapitale Brüssel gemalt worden war, wurde mit den Wörtern „rassistisch“ und „transphob“ besprüht. Nach einigen Monaten bekam er eine Mail von einer Aktivistin, die ihn darüber aufklärte, was eine gute Karikatur ausmache – und was nicht gehe. „Da war ich dann einfach mal ein schwuler alter weißer Mann, aber für mich ist das ok.“

Angekreidet wurde ihm insbesondere die Darstellung einer schwarzen Lesbe mit dicken roten Lippen – das sei ein koloniales Stereotyp. „Dabei ist das bei mir einfach ein Zeichen für Lippenstift.“ Dennoch zeigt er sich einsichtig: „Ich würde das heute so nicht mehr machen.“

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