OLDENBURG Das Ensemble hat das beliebte Märchen von Antoine de Saint Exupéry (1900–1944) übersetzt. Ein Jahr lang haben die Laien-Schauspielern geprobt.

Von Simone Wiegand OLDENBURG - Der kleine Prinz ist nachdenklich. Nein, nicht seine geliebte Rose auf dem fernen Planeten bereitet ihm Kummer. Der kleine Prinz, den wir meinen, blickt nervös seinem Auftritt im gleichnamigen Theaterstück entgegen, das die August-Hinrichs-Bühne jetzt im Staatstheater zeigt. Äußerlich ruhig, verraten nur die roten Wangen, wie aufgeregt Tobias Scholz ist. Aber das mag auch an dem himmelblauen Prinzen-Kostüm liegen, das dem freundlichen 13-Jährigen die Hitze ins Gesicht treibt.

Seit drei Jahren besucht der Gymnasiast die Nachwuchsförderung der dem Staatstheater angeschlossenen August-Hinrichs-Bühne (AHB), die sich neuerdings Trainingscenter nennt. „Weil wir nicht nur junge Leute ansprechen, sondern Menschen jeden Alters“, erläutert Thomas Willberger, der das Center leitet und beim kleinen Prinzen Regie führt.

Auf zwei Dinge ist Willberger besonders stolz: Erstmals führt eine Bühne das zauberhafte Märchen in Niederdeutsch auf. Und erstmals spielt sein Trainingscenter im Staatstheater (wenn auch nur an zwei Terminen), nachdem „Max und Moritz“ sowie „Shakespeares Sonette“ in den vergangenen Jahren in kleineren Spielstätten gezeigt wurden.

Eine Drehscheibe mit zwei Spielorten bildet die Kulisse. Auf ihr gelangt der kleine Prinz, der mit seinen 1,72 Metern („allein 15 Zentimeter seit Probenbeginn“) und Schuhgröße 45 gar nicht mehr so klein ist, von einem Planeten zum nächsten. Er trifft König, Laternenanzünder, Schlange, Fuchs und natürlich den Piloten Exupéry, der mit seinem Flugzeug in der Wüste Afrikas liegen geblieben ist. Wie bezeichnend, dass der französische Dichter und Pilot 1944 bei einem freiwilligen Fliegereinsatz über Korsika auf ungeklärte Weise sein Leben verlor. Das war gerade ein Jahr, nachdem „Der kleine Prinz“ erschienen war.

Doch zurück zur AHB. Ein ganzes Jahr lang haben die Laien an zwei Sonnabenden im Monat geprobt. Stimm- und Sprachbildung sowie szenische Arbeit standen auf dem Theater-Stundenplan. Juliana Maack ist mit ihren zwölf Jahren das Nesthäkchen, Gerhard Jansen (68) und Dieterfritz Arning (67), zurzeit in dem Schwank „Pension Schöller“ zu sehen, zählen zu den Erfahrenen. Manch einer der zwölf beteiligten Darsteller stieß auch erst im Laufe der Probenarbeiten hinzu wie etwa Andrea Spiekermann. Sie kam vor zwei Monaten ins Team und spielt eine Marktfrau.

Jedem Neuankömmling wird bei der AHB ein Pate zur Seite gestellt. Für Tobias Scholz ist das Karin Haan, die ebenfalls eine Marktfrau spielt. Auf sie kann sich der Achtklässler, der sich für Leichtathletik begeistert, hundertprozentig verlassen. Sollte er seinen Text vergessen, wird sie in seiner Nähe sein und helfen. So wie der Fuchs dem kleinen Prinzen hilft, wenn er ihm rät, mit dem Herzen zu sehen, weil das Wesentliche für das Auge unsichtbar bleibt. Oder in diesem Falle: „Een sütt blots mit’n Harten good. Dat Wichtigste könt de Oogen nich sehn.“

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