Kingston Die Karibik. Träge dahinrollende Tage, große, dicke Sonne, blaues Wasser, stickige Hitze. Die Karibik, Sehnsuchtsort vieler Touristen auf der Suche nach chilligen Tagen und lauten Nächten mit bunten Getränken. Den Soundtrack liefert Bon Marley. – denn dieser Soundtrack heißt Reggae.

Robert Nesta „Bob“ Marley: Der Mann, der den Reggae vielleicht nicht erfunden, aber berühmt gemacht hat, repräsentiert wie kein anderer diesen Musikstil und damit auch seine Welt der vielen Inseln zwischen Florida und Venezuela. Der nach Sprintstar Usain Bolt wohl berühmteste Jamaikaner wäre an diesem Donnerstag 75 Jahre alt geworden. Doch Marley war ein Frühvollendeter. Er starb bereits 1981, im Alter von 36 Jahren, nach längerer Krebserkrankung.

Der Schlaks aus dem kleinen Ort Nine Miles, gelegen im Norden Jamaikas, wusste schon als Heranwachsender, dass seine Berufung nicht im Fahrrad reparieren lag, sondern in der Musik. Als Sänger und Gitarrist versuchte Marley wie viele Altersgenossen, der Armut zu entfliehen, indem er andere unterhielt mit einer speziellen Art Folklore.

Dieser Reggae genannte Stil nahm sich andere karibische Musikkonzepte wie Ska und Rocksteady zum Vorbild, senkte ihre Schnelligkeit aber auf fast Zeitlupentempo ab und betonte dadurch umso mehr das rhythmische Erleben eines Songs, seine Lässigkeit und Trägheit.

Nun war Bob Marley mit seiner Band The Wailers nicht der erste, der einen Reggae-Song veröffentlichte – diese Ehre gebührt Lee Scratch Perry mit „People funny boy“ (1968) – und Marley exportierte diese Musik auch nicht als Erster nach Europa – das war Desmond Dekker mit „The Israelites“ (ebenfalls 1968). Doch ohne den charismatischen Menschen, begnadeten Komponisten und passionierten Fußballer hätte Reggae kaum den Siegeszug um die Welt geschafft. Bis heute wird dieser Rhythmus, bei dem ungewöhnlicherweise der zweite und vierte Takt betont wird, von Künstlern aus allen Genres eingesetzt.

Für Marley war Reggae mehr als nur eine Wahl eines Stils. Er verknüpfte diese Musik eng mit seiner Religion, dem christlich-rebellischen Rastafari-Glauben, und baute sein Repertoire rund um diese spirituellen, für Außenstehende schwer verstehbare, Ansichten auf. Trotzdem – oder a weil man nicht viel verstand vom kreolisch-englischen Sprachgewirr – faszinierte die Musik das Publikum.

Zum Massenphänomen wurde der Jamaikaner durch Eric Clapton. Der nahm 1974 den Wailers-Song „I shot the sheriff“ auf, landete einen damit Nummer-1-Hit und machte Marleys Namen bekannt. Im Folgejahr veröffentlichte Marley dann die im Londoner Lyceum aufgenommene Platte „Live!“, die ebenfalls zum Verkaufserfolg wurde und Neulingen fortan das Reggae-Universum öffnete. Lieder wie „No woman, no cry“, „Buffalo soldiers“, „One love“, „Iron Lion Zion“ oder „Could you be loved“ wurden von Radiosendern weltweit gespielt und blieben als Ohrwurm bei den Hörern hängen.

Die Popularität bewahrte den vielfachen Vater (vier eheliche Kinder und mindestens sieben uneheliche) nicht vor einem frühen Ende. 1977 ließ er einen Fußbruch nicht behandeln, seine Religion verbot es ihm. Im Umfeld der Wunde wurde später ein „schwarzer Hautkrebs“ diagnostiziert, der Tumor streute auf andere Körperteile. Im September 1980 trat Marley letztmals auf, im Mai 1981 starb er. Seine Lieder, seine Botschaft („Sei mutig. Glaube an dich. Mach, was sich gut anfühlt. Gehe Risiken ein. Du hast dieses eine Leben. Mach dich selbst stolz.“) überlebten.

Laut Billboard,dem US-Fachblatt der Musikindustrie, hat Bob Marley in seiner Karriere mehr als 75 Millionen Tonträger verkauft. Zu seinen herausragenden Alben zählen „Burnin’“ (1973), „Natty Dread“ (1974), „Exodus“ (1977) sowie der Konzertmittschnitt „Live!“ (1975/Bild).

Klaus Fricke
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