Cannes Nach der Preisverleihung herrscht jetzt Katerstimmung: Die elf Tage der 69. Ausgabe der beendeten Filmfestspiele von Cannes waren in einem Rausch mit selten intensiven Höhen und Tiefen vergangen, in dem sich Beifallsstürme für einzelne Filme mit Buhrufen für andere abgewechselt hatten.

Dieses Auf und Ab der Gefühle brach die Preisverleihung wie mit kalter Dusche ab. Und das nicht nur, weil der erklärte Liebling des Festivals, wie berichtet, am Sonntag leer ausging: Maren Ades „Toni Erdmann“ – dem bei seiner Premiere die für einen deutschen Film ungewöhnliche Ehre von Zwischenapplaus und Ovationen zuteil wurde. Sondern auch weil die Jury unter ihrem Vorsitzenden, dem „Mad-Max“-Regisseur George Miller, mit ihren Auszeichnungen gegen alle Tendenzen des Festivals entschied.

Statt eines aufregenden Newcomers gewann wieder ein Altmeister, statt ästhetisch Wagnisse eingehende Filme wurden sozialrealistische Dramen bevorzugt, und statt endlich zum zweiten Mal einer Frau die Goldene Palme zuzugestehen, gingen die Hauptpreise wieder an Männer.

Dementsprechend gereizt verlief die Verleihungszeremonie: Der bekennende Linke Ken Loach musste sich die Goldene Palme ausgerechnet von dem für seine teils ultrakonservativen Ansichten bekannten Mel Gibson überreichen lassen. Gibson wiederum führte seinen Auftritt mit der Erinnerung ein, dass Cannes ein Karrieresprungbrett darstellt. Das war nicht die richtige Überleitung für die Vergabe der Palme an einen 79-Jährigen, der zum 16. Mal am Festival teilnahm.


Info:   www.festival-cannes.com 
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