Kassel Manchmal ist Kunst wie Fußball: Am Ende stimmt das Ergebnis, aber gute Kritiken gibt es nicht. So ergeht es der „documenta“, der weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Die 100 Tage-Schau feiert Halbzeit in Kassel und steuert auf einen Besucherrekord zu. Doch in den vergangenen Wochen mehrte sich die Kritik. Die Ausstellung sei „missraten“ und „enttäuschend“, urteilten Medien.

In Kassel ist davon wenig zu spüren: Lange Menschenschlangen auf dem Frie­drichs­platz, dem Herz der „documenta“, gehören fest zum Stadtbild. Die Stimmung unter den meisten Besuchern ist gut. Selbst mehrere Tage Dauerregen schadeten der Ausstellung kaum. In den Ausstellungsgebäuden sei es umso voller gewesen, berichtet die Polizei, die mit einer eigenen Wache vor Ort ist.

Die Zwischenbilanz der „documenta“-Macher – sie endet am 17. September – bestätigt den Eindruck. 445 000 Besucher seien bisher gekommen, 17 Prozent mehr als bei der Halbzeit der vergangenen „documenta“ im Jahr 2012. „Sehr zufrieden können wir auf den bisherigen Verlauf der Ausstellung in Athen und Kassel zurückblicken“, erklärte Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der „documenta“. Als Künstlerischer Leiter sei er stolz auf das, was man bislang erreicht habe, erklärte auch Kurator Adam Szymczyk.

„Die Leute scheinen zu kommen trotz massiver negativer Kritik“, sagt der Kasseler Kunstwissenschaftler Harald Kimpel. Der 67-Jährige ist langjähriger Beobachter der Ausstellung und hat über die „documenta“-Geschichte promoviert. „Man kann fast sagen: Der Ruf kann der ,documenta‘ egal sein“, erklärt er.

Weil die Ausstellung auch zeitversetzt in Athen stattfand, löse sie sich von ihrer Geburtsstadt Kassel und hebe die traditionelle Dauer von 100 Tagen auf. „Und um Kunst im eigentlichen Sinn geht es nur zu geringen Teilen.“ Es handele sich um eine „Mitleidsdocumenta“, bei der einem „die Traumata von Menschen aus aller Welt kommentarlos vor die Füße geworfen werden“, sagt der Kunstwissenschaftler.

Abseits der Kunst sind die Reaktionen positiv: Der Stadt Kassel bringt die Ausstellung Tausende von Besuchern in die städtischen Museen, die auch „documenta“-Standorte sind. Der neue Kasseler Campingplatz war im Juli fast ausgebucht. „Die Stadt ist belebt, von internationaler Atmosphäre und Gästen geprägt, viele Menschen besuchen die Ausstellung und die Gastronomie“, sagt Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp. Man sei zufrieden.

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