Oldenburg /München Mal ein Wunsch, der prompt in Erfüllung ging: Dieses Manuskript wird hoffentlich ein Buch, hieß es noch in der Laudatio im November 2013. Zwei Monate später konnte sich die Kibum-Preisträgerin Sabine Raml ihren Verlag aussuchen. Der Preis, der seit 1977 bei der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse vergeben wird, gilt als etwas Besonderes: Er ist mit 7600 Euro finanziell deutlich höher dotiert als andere, als Einziger eine spartenübergreifende Auszeichnung und würdigt sowohl Manuskripte als auch bereits verlegte Werke.

Blättersammlung

Den Wunsch von Sabine Ramls Laudatorin erfüllte jetzt der Münchener Heyne Verlag. In diesen Tagen ist ihr Debütroman „Heldentage (do what you want“) in der Kinder- und Jugendbuch-Sparte „Heyne fliegt“ erschienen. Ausschlaggebend für die Veröffentlichung sei zwar nicht der Preis gewesen, sagt Pressesprecherin Elvina Prähofer, sondern der „außergewöhnliche Schreibstil“ der Autorin. Der Kibum-Preis aber sei zweifellos ein zusätzliches Qualitätsmerkmal gewesen.

Die Berliner Autorin hatte mit dem Preis „überhaupt nicht gerechnet“. Die anderen beiden nominierten Romane waren bereits veröffentlicht, „und meiner war eigentlich nur eine Blättersammlung“, erzählt die 42-Jährige. Die Geschichte von der 15-jährigen Lea in all ihrer Sozialdramatik „hatte noch nicht einmal ein richtiges Ende“. Als ihre Literaturagentin die prämierten „Blätter“ verschiedenen Verlagen offerierte, boten gleich mehrere Verträge an. Was in der Verlagsbranche eher selten vorkommt.

Die von der Kibum-Jury bescheinigte Qualität dürfte dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt haben. In der Vergangenheit jedenfalls hat der Preis schon vielen den Start in eine Schriftsteller-Karriere ermöglicht. Prominentestes Beispiel ist die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler, die 1980 für ihr Buch „Bitterschokolade“ den damals mit 10 000 DM dotierten Preis erhielt. Er verhalf ihr zum Durchbruch. Seitdem kann sie vom Schreiben leben.

Der österreichischen Autorin Gabi Kreslehner wurde 2008 der Kibum-Preis für „Ringlotten am Erdbeerbaum“ zugesprochen. Unter dem Titel „Charlottes Traum“ im Beltz Verlag erschienen, erhielt sie daraufhin vier weitere Preise, darunter den Peter-Härtling-Preis (2009) und den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur (2010). Kaum weniger erfolgreich war der Erstling von Kirsten Reinhardt. „Fennymores Reise oder Wie man Dackel im Salzmantel macht“ (Carlsen Verlag) erschien auch in französischer und englischer Übersetzung.

Mut machen

Ein „Problembuch“, wenn auch ein „ziemlich fröhliches“ nannte Sabine Raml ihr Manuskript. Es ist die dritte Version einer fiktiven Geschichte mit autobiografischen Zügen, an der sie insgesamt neun Jahre gearbeitet hat. Für die endgültige Fassung benötigte sie allerdings „weniger als fünf Wochen“. Das Ergebnis ist ein Buch, das Mut machen soll, auch in einer problembeladenen Situation – der Vater abgehauen, die Mutter mit sich selbst beschäftigt – die Hoffnung nicht zu verlieren und sich anderen anzuvertrauen.

Eine Botschaft, die die Autorin möglichst vielen jungen Lesern nahebringen möchte. Auch deshalb hat sie sich für den Heyne Verlag entschieden, der „Heldentage“ als Spitzentitel herausbringt und entsprechend vermarktet: „Mir war wichtig, dass alles für dieses Buch getan wird.“

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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