WILDESHAUSEN Anglikanische Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts stand jetzt im Mittelpunkt der Gesangsdarbietungen des Hilliard-Ensembles mit David James (Countertenor), den Tenören Rogers Covey-Crump und Steven Harrold, mit dem Bariton Gordon Jones und dem Gast-Bassisten Robert MacDonald. Der Umbruch der vielfältigen Antiphonen, Responsorien und Motetten bei der Loslösung von der römischen Kirche wurde eindrucksvoll untermauert durch die ältesten schriftlich überlieferten Kompositionen von St. Godrics aus dem 11. und 12. Jahrhundert, der noch den traditionellen Formen verhaftet war.

Die Komponisten des 16. Jahrhunderts, John Sheppard, Christopher Tye und Thomas Tallis, ließen in Wildeshausen sichtlich den Versuch erkennen, anklangweise traditionelle liturgische Formen beizubehalten, um ihre Karriere durch ein offenes Bekenntnis zu Rom nicht zu gefährden. Verbindendes Element blieb die lateinische Sprache. Aber durch die Reformation wurden die geistlichen Gesänge mit einprägsamen Wiederholungspassagen volksnaher; gleichzeitig lebte die Marienverehrung traditionell weiter. Doch war der Schub kompositorischer Neuerungen unüberhörbar und wurde von dem Hilliard-Ensemble mit dem dramaturgisch geschickt zusammengestellten Programm eindrucksvoll übermittelt.

Das Hilliard-Ensemble gilt mit Recht als eines der besten Vokal-Ensembles. Es fesselte die Zuhörer in der voll besetzten Alexanderkirche in Wildeshausen mit tonreiner A-capella-Gesangskunst. Die spätromanische Alexanderkirche, die im Zuge der Reformation evangelisch-lutherisch wurde, gilt als das älteste sakrale Gebäude und als die einzige erhaltene Basilika im Oldenburger Land – ein hervorragend angemessener Raum also für das Konzert.

Dankenswerterweise wurde zwischen den einzelnen Gesängen nicht applaudiert. Aber der Schlussapplaus forderte als Zugabe eine Motette aus Armenien.

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