OLDENBURG Anna Bergmann führt Regie. Das Drama von Sera Moore Williams kommt ohne moralischen Zeigefinger aus.

Von Simone Wiegand OLDENBURG - Die Hölle, was ist das eigentlich? Ein prügelnder Vater und wechselnde Pflegeeltern, wie der 16-jährige Wes (überzeugend: Denis Larisch) sie erlebt? Oder sind Elins (quirlig: Simone Oswald) Eltern schlimmer, die sie mit Liebe erdrücken und zum Lernen anhalten? „Ich verstehe deinen Verwöhnte-Mädchen-Schmerz nicht“, sagt Wes resigniert, als seine Liebe zu Elin zerbrochen ist. An seiner Schläfe klebt Blut nach einem Crash im geklauten Auto.

Wes’ Unfall ist nicht der einzige Crash in diesem dichten, lauten Stück, das drei Jugendliche scheibchenweise durchleuchtet wie eine Tomographie. Mit dem Titel „Crash“ bezieht sich die Autorin Sera Moore Williams auch auf Abstürze von Computern und alkoholisierten Jugendlichen.

Verkörpert werden letztere durch den langweiligen Strebertyp Rhys (bedächtig: Vincent Doddema). „Ein normales Leben ist dir nicht cool genug“, sagt Rhys zu Elin, die er heimlich liebt und – nicht nur dafür – eine blutige Lektion von Wes erhält.

Regisseurin Anna Bergmann kreiert mit ihrer Inszenierung einen Kunstraum, in dem sich Jugendliche wiederfinden können: in der verwöhnten Elin, dem kriminellen Wes oder dem spießigen Rhys. Und wenn nicht real auf der Bühne, dann zumindest in einem der Videoclips, die zeitgleich laufen.

Kameramann Andreas J. Etter hat die kunstvollen Filmchen mit den Schauspielern gedreht: Elin und Wes wie verliebte Fische unter Wasser, Elin verzweifelt auf der Brücke, Rhys besoffen im Auto. Auf der Leinwand lieben sich Elin und Wes romantisch-verspielt auf roten Rosen, während sie auf der Bühne hektisch unter einem Laken ihren ersten Sex haben.

„Crash“ ist geprägt von lauter Musik, mal Rock, mal Rap, von Nebel und schrillen Tönen – eine Schulglocke, ein Martinshorn, Herzklopfen. „Es ist toll, 16 zu sein“, meint Rhys, von dem man nicht erfährt, ob er seine nächtliche Autofahrt im Rausch überlebt. Und auch Elin und Wes, die sich einmal geschworen haben „wir gegen die Welt“, bleiben verzweifelt, wenn auch erstarkt zurück.

Ganz ohne moralischen Zeigefinger tippt „Crash“ Themen wie Ecstasy, Schlägereien und Autoaufbrüche an, während das Hauptthema, die erste große Liebe, im Vordergrund spielt. Auch eine Art Hölle, durch die jeder muss.

Karten: 0441/22 25 111

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.