Frankfurt /Main Ikone des Folk, Pazifistin und Songwriterin: Seit mehr als 60 Jahren erhebt Joan Baez ihre glockenhelle Stimme mit dem auffälligen Tremolo für Freiheit, Frieden und Menschenrechte. Als Friedensbotschafterin reiste sie mit ihrer Gitarre in Kriegs- und Krisengebiete. Gegen Unterdrückung, Hass und Gewalt setzt sie das Prinzip der absoluten Gewaltlosigkeit. Am 9. Januar wird sie 80 Jahre alt.

Baez, die 1941 im New Yorker Stadtteil Staten Island geboren wurde, lebt heute zurückgezogen im kalifornischen Woodside in der Nähe von San Francisco. Die ernst wirkende Frau mit den einst langen schwarzen Haaren war eine Wegbegleiterin von Martin Luther King. Im Jahr 1963 trat sie beim Marsch auf Washington auf, wo der Bürgerrechtler seine berühmte Rede „I Have A Dream“ hielt. Die 22-Jährige sang „We Shall Overcome“, der Appell zur Überwindung der Rassenschranken und des Völkerzwists. Das Lied wurde zur Hymne der Friedensbewegung.

„Schlechter als Gewaltlosigkeit ist nur Gewalt“, kommentierte Joan Baez ihre politischen Aktionen. Vor allem die Begegnung mit dem Folk-Poeten Bob Dylan 1961 ließ Baez’ Musik politischer werden. Dylan schrieb grandiose Songs mit gesellschaftskritischen Texten wie „Blowin’ In The Wind“. Baez half seiner Weltkarriere auf die Sprünge, holte ihn zu sich auf die Bühne. Mitte der 1960er Jahre galten Baez und Dylan als das „Königspaar des Folk“, einige Monate lang waren sie auch privat ein Paar. Als sie den genialen „ungepflegten kleinen Kerl“ (Baez) als Fürsprecher für die Friedensbewegung gewinnen wollte, habe Dylan sich aber gesträubt, erinnert sich die Sängerin.

Rund 40 Alben hat Baez in ihrer Karriere veröffentlicht. Balladen wie „The Night They Drove Old Dixie Down“ über die Erinnerungen eines Bürgerkriegsveteranen aus den Südstaaten oder „Joe Hill“ über einen Justizmord an einem Gewerkschaftsaktivisten wurden Hits.

Immer wieder führte Baez’ Weg nach Deutschland. Im Jahr 1966 mischte sie sich unter die Ostermarschierer gegen Atomwaffen. In Ostberlin traf sie Liedermacher Wolf Biermann, der sie „Heilige Johanna mit der Gitarre“ nannte. Nach einer weltweiten Abschiedstournee zog sie sich 2019 von der Bühne zurück.

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