Frage: Frau Böhmer, was zeichnet eine Welterbestätte aus?

Böhmer: Eine Welterbestätte ist eine Kultur- oder Naturstätte mit einem außergewöhnlichen Wert für die gesamte Weltgemeinschaft. Der Name des Programms ist nicht zufällig gewählt: Es handelt sich um das Erbe der Menschheit. Es sind Stätten, anhand derer die Menschheitsgeschichte lebendig wird. Es sind Orte, die zeigen, was wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen können.

Frage: Wozu brauchen wir Welterbestätten?

Böhmer: In Zeiten, in denen die Tendenz hin zu mehr Nationalstaatlichkeit geht, ist die Betonung von Gemeinsamkeiten und Solidarität wichtiger denn je. Die Idee des Welterbes ist, dass es Orte gibt, die für uns alle relevant und schützenswert sind. Die drängendsten Probleme unserer Zeit sind global. Die Welterbestätten bieten eine Wissensressource, aus der wir lernen können, für heute und für unsere gemeinsame Zukunft. Mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage kommt dem völkerverbindenden und friedenstiftenden Welterbe-Gedanken eine besondere Bedeutung zu.

Frage: Was bewirkt die Auszeichnung als Welterbe?

Böhmer: Mit der Aufnahme in die Liste beginnt die eigentliche Arbeit: Schutz und Erhalt der Stätte sind dabei primäres Ziel. Die zuständigen Regierungen verpflichten sich, Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen zu finanzieren. Neben der Bewahrung geht es aber auch darum, die Stätten lebendig zu halten und ihren Wert zu vermitteln.

Frage: Wo liegen die gegenwärtigen Herausforderungen?

Böhmer: Auch für die Welterbestätten bedeutet die Corona-Pandemie eine enorme Herausforderung. In Deutschland und international hat das Welterbe mit dramatischen Einbrüchen der Besucherzahlen zu kämpfen. Doch in dieser weltweiten Krise steckt die Chance, neue Wege zu beschreiten: Mit der Entwicklung digitaler Angebote kann der Zugang zu Welterbestätten barrierefreier erfolgen. Ein virtueller Besuch ist für viele Menschen möglich, die nicht vor Ort sein könnten. Gerade jetzt in der Krise zeigt sich, wie sehr Welterbe verbindet.

Frage: Was sind die größten „Bedrohungen“ der Welterbestätten?

Böhmer: Bei der Frage kommen einem schnell Bilder von der Zerstörung von Welterbestätten in den Kopf: Sei es durch Terroristen wie in Palmyra, Syrien oder auch durch Naturkatastrophen oder Unglücke, wie im vergangenen Jahr in Paris, Notre-Dame. Außerdem gibt es eine generelle Entwicklung weg vom globalen Miteinander hin zum nationalen Alleininteresse. Können wir als Einzelstaaten künftig wirklich Probleme wie Pandemien, Klimawandel und globale Konflikte lösen? Ich glaube nein.

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