Frage: Frau Sukowa, New York ist Ihre Wahlheimat. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Sukowa: Es war nicht einfach. Ich war ziemlich lange in Isolation, weil ich des Alters wegen zur besonders gefährdeten Gruppe gehöre. Meine Kinder haben versucht, sich so gut wie möglich von mir fern zu halten, weil sie ja noch am sozialen Leben teilgenommen haben. Nun laufen alle mit Masken herum. Hoffen wir, dass New York keine zweite Welle bevorsteht.

Frage: Regisseur Filippo Meneghetti sagt, Sie hätten sehr frühzeitig für das Projekt „Wir beide“ zugesagt. Was hat Sie an dieser Geschichte fasziniert?

Sukowa: Das Buch war sehr gut geschrieben und ich fand die Charaktere der beiden Frauen sehr komplex. Es war toll, dass sich die Geschichte nicht nur um diese beiden Frauen drehte, sondern dass es auch um die Familie und den Konflikt der Generationen ging. Ich fand es spannend, dass junge Leute, die dem Thema Homosexualität eigentlich sehr offen gegenüberstehen, plötzlich Schwierigkeiten damit bekommen, wenn sie in der eigenen Familie auftritt. Man sieht die eigenen Eltern anders als andere Menschen.

Frage: Hat es mit Ihrer Filmpartnerin Martine Chevallier sofort Klick gemacht?

Sukowa: Ja. Wir haben uns vor dem Dreh nur einmal gesehen, es gab ein Abendessen mit dem Regisseur in Paris. Wir haben sehr viel über unser eigenes Leben und unsere eigenen Lieben erzählt. Dabei sind wir uns schnell nahegekommen. Das passiert bei Schauspielern aber häufiger.

Frage: Madeleine hat sich für die Familie aufgeopfert und eine Lüge gelebt. Sie selbst haben es gemeistert, drei Jungs groß- zuziehen und trotzdem eine Karriere zu haben. Mussten Sie harte Entscheidungen treffen?

Sukowa: Ich habe meine Familie schon sehr in den Mittelpunkt gestellt. Wenn Sie sich anschauen, was ich gemacht habe, dann sind das für diese lange Zeit verhältnismäßig wenig Filme. Besonders in der Zeit, in der meine Kinder klein waren. Ich habe mich nie als Opfer gesehen, es war eine bewusste Entscheidung.

Frage: Die Vereinsamung der reiferen Generation ist in vielen Ländern der westlichen Welt ein riesiges Problem. In Großbritannien wurde sogar ein Ministerium gegen Einsamkeit geschaffen. Was läuft schief?

Sukowa: Wir sind heute natürlich eine sehr mobile Gesellschaft. Die Familien leben nicht mehr in einem Haus, einem Dorf oder einer Stadt zusammen. Die Kinder verlassen oft den Ort ihres Aufwachsens, man ist nicht mehr in seine Familie eingebunden. Es kommt darauf an, welche Möglichkeiten man hat. Diese Entwicklung hinterlässt viele einsame Menschen. Und es sind nicht nur die Älteren, die einsam sind, es betrifft auch die Kinder. Junge Leute, die an die Uni einer großen Stadt kommen, sind sicher auch erstmal einsam. Und gerade im Hinblick auf Corona wird es richtig schwierig für sie.

Frage: Können Sie selbst gut allein sein?

Sukowa: Ja. Ich kann sehr gut sozial sein, aber ich kann auch sehr gut allein sein.

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