Am Mittwoch tagen in Berlin die Kanzlerin und die Länderchefs wegen der Verlängerung des Teil-Lockdowns über den 30. November hinaus. Dazu ein Gespräch mit Prof. Rainer Stamm, Direktor des Oldenburger Landesmuseums.

Frage: Es ist wahrscheinlich, dass Kulturorte wie Museen, Theater und Kinos geschlossen bleiben. Wie gehen Sie damit um?

Stamm: Es ist eine verrückte Zeit, von der wir sicher noch unseren Enkelkindern erzählen werden. Aber wir müssen den Vorgaben der Politik folgen und werden weiter nach bestmöglichen Lösungen suchen. Museen gehören aufgrund des verfügbaren Raums und der ohnehin hohen Standards zu den sichersten öffentlichen Orten. Daran hat sich nichts geändert.

Frage: Dabei wären im Oldenburger Schloss, Prinzenpalais und Augusteum derzeit drei hochwertige Ausstellungen zu sehen...

Stamm: Das ist tragisch. Die faszinierende Geschichte der Oldenburger „Vier Unvergesslichen“ und unsere Kabinettausstellung „Zehn Jahre Neuerwerbungen“ waren nur wenige Tage zugänglich, die Foto-Ausstellung „Schupmann Collection“ noch gar nicht.

Frage: „Zu sehen ab Wiedereröffnung“ heißt es auf der Internetseite. Können Sie die Ausstellungszeit verlängern?

Stamm: Dazu führen wir intensive Gespräche. Hier müssen wir Leihfristen beachten. Andererseits bewährt sich, dass wir in der ersten Corona-Pause ab März den Blick verstärkt auf uns selbst und unsere Sammlung gerichtet haben.

Frage: Was bedeutet das konkret?

Stamm: Seit ich 2010 in Oldenburg als Museumsleiter angetreten bin, habe ich mich immer tiefer in den Bestand eingearbeitet. In unseren Objekten stecken zahllose Geschichten und historische Anknüpfungspunkte. Denken Sie zum Beispiel an unsere Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung“ im Bauhaus-Jahr 2019. Für solche Projekte haben wir unsere Geschichte erforscht. Und anhand unserer Schätze können wir die Sammlungen weiterentwickeln und sinnvoll ergänzen – was wir auch tun.

Frage: Manche Museen machen ihre Werke digital komplett sichtbar – was halten Sie davon?

Stamm: Auch bei uns spielt digitale Vermittlung eine immer größere Rolle. Zur Einordnung: Wir haben bislang mehr als 25 000 Objektdatensätze erzeugt, von denen im kommenden Jahr die ersten online gehen sollen. Für mich bleibt das Museum allerdings immer ein Ort der Begegnung mit den Originalen – auch wenn dies im Moment nicht möglich ist.

Frage: Beruhigt es Sie, dass Sie sich als niedersächsischer Landesbetrieb um fehlende Einnahmen weniger sorgen müssen?

Stamm: Natürlich erleichtert es manches. Aber es geht mir nicht um Rekordzahlen. Beeindruckender ist vielmehr, dass unsere drei Häuser trotz der langen Corona-Pause Ende Oktober bereits 50 000 Besuche in diesem Jahr verzeichnen konnten. Das ist ein Beweis für das Vertrauen der Gäste in unser Sicherheitskonzept.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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