Im Nordwesten Wenn es eines zusätzlichen Beweises bedurfte, welchen Stellenwert die Kultur innerhalb der Bundesregierung genießt, spie-gelte sich dieser in der Aussage von Peter Altmaier (CDU) wider: „Ein Onkel, der Gutes mitbringt, ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt“, zitierte der Wirtschaftsminister in der Aufzählung der Finanzhilfen für das produzieren Gewerbe Wilhelm Busch.

In Zeiten der erneuten Corona-Restriktion sind kreative Menschen dünnhäutig genug, um die Wendung „bloß Klavier spielt“ im Wortsinn zu verstehen. Dass es den Kulturschaffenden mächtig gegen den Strich geht, wenn ihrer Hände und Stimme Arbeit nicht unters Volk gebracht werden kann, ist klar. Doch auch das Publikum schlägt sich auf ihre Seite. Wir haben Reaktionen auf den zweiten Lockdown eingesammelt.

theater

„Die Vorkehrungen im Oldenburgischen Staatstheater sind so durchdacht und vorbildlich, dass wir die Schließung als unnötig empfinden“, sagte das Besucherpaar Mechthild und Wolfgang Ebenhöh, die „Die Spanische Stunde“ von Maurice Ravel am Samstagabend als Premiere und zwei Tage vor der erneuten Zwangspause wegen der Corona- Pandemie als Epilog erlebten.

Die Zuschauerin Cornelia Lauenstein bringt Verständnis auf für die Maßnahmen der Regierung, fühlt sich aber im Theater am rechten Fleck. „Es ist sehr traurig, dass Theater und viele andere Veranstaltungszweige betroffen sind. Im Prinzip haben sich alle an die Regeln gehalten. Unser Theater ist mit seinen Maßnahmen ein sicherer Ort. Doch ich verstehe auch die Politik. Was soll sie machen, wenn es Quertreiber gibt?“

Museen

Von den Schließungen bis zunächst 30. November sind auch die Museen betroffen, die zunächst nicht explizit im Beschluss von Bundesregierung und den 16 Ländern genannt worden waren. Direktorinnen und Direktoren deutscher Kunstmuseen haben die Schließung inzwischen scharf kritisiert. „Museen gehören schon aufgrund der ohnehin vorhandenen Sicherheitsstandards zu den sichersten öffentlichen Orten“, heißt es in einer Stellungnahme der Leitungen von bundesweit 36 Kunstmuseen und Kunst-Stiftungen.

Die seit März entwickelten Hygienekonzepte hätten sich bewährt. Unterzeichner sind unter anderem die Verantwortlichen der Kunsthalle Bremen, des Kunstmuseums Bonn, der Kunstsammlungen Chemnitz, des Essener Museums Folkwang, des Kunstmuseums Stuttgart, der Kunsthalle Hamburg und der Bundeskunsthalle Bonn.

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg folgte den Vorgaben aus Hannover schweren Herzens. Erst eine Woche zuvor hatte das Kunstmuseum mit den drei Häusern Schloss, Augusteum und Prinzenpalais den 50 000. Besuch in diesem Jahr verzeichnet. „Das ist ein beeindruckender Zuspruch und ein Beweis für das Vertrauen der Gäste in unser Sicherheitskonzept“, hatte sich Museumsdirektor Dr. Rainer Stamm da noch gefreut. Doch schon ab diesem Dienstag bleiben die Türen ebenso geschlossen wie die des Landesmuseums Natur und Mensch.

In Dangast (Landkreis Friesland) hatte die Ausstellung „Lichtspiele“ zum 125. Geburtstag des Malers Franz Radziwill viel Zuspruch erhalten: „Vor allem in den Sommermonaten waren zum Teil mehr Gäste im Haus als im Vergleichsmonat der Vorjahre“, berichtet Maren Buschmann vom Franz Radziwill Haus. „Die Hygienemaßnahmen konnten hervorragend umgesetzt werden und es gab selten Wartezeiten für Besucher.“

Kino

„Wir sind traurig, dass wir nach all den Bemühungen der letzten Monate nun erneut unsere Türen schließen müssen. Trotz der Einschränkungen sind uns viele Gäste treu geblieben“, sagte Casablanca-Geschäftsführer Tobias Roßmann. „Es bleibt zu hoffen, dass die nun beschlossenen Maßnahmen Wirkung zeigen und dass die versprochenen Hilfen auch tatsächlich schnell und unbürokratisch fließen. Letztlich bedeuten die Schließungen nicht nur einen enormen wirtschaftlichen und kulturellen Verlust, sondern auch einen Imageschaden für die Kulturbetriebe

Kinderbuchmesse

„KIBUM 2020: „Digital & anders“ – unter diesem Motto geht die 46. Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse KIBUM am 7. November an den Start. Dann wird das umfängliche digitale Programm unter www.kibum.de barrierefrei freigeschaltet und ist deutlich über die Laufzeit der KIBUM hinaus zu sehen.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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