Im Norden Dieser Autor wagt sich dorthin, wo es wehtut: in die menschliche Seele. Dass dieser Ort mitunter ein Abgrund, ein Höllenschlund sogar, sein kann, hat Georges Simenon in so vielen seiner Romanen bewiesen. 75 Kriminalromane um den pfeiferauchenden Kommissar Maigret, 117 weitere Romane und über 150 Erzählungen hat der 1903 in Lüttich geborene und 1989 gestorbene Belgier erschaffen.

Viele Buchvorlagen wurden verfilmt – man denke an den fabelhaften Maigret-Darsteller Jean Gabin. Außerdem entstanden zahlreiche Hörspiele mit bekannten Sprechern. Sechs seiner stärksten Romane hat der NDR neu aufgelegt und von fünf Hörspielregisseurinnen inszenieren lassen: „Die Phantome des Hutmachers“, „Brief an meine Mutter“, „Das blaue Zimmer“, „Schlusslichter“, „Der Buchhändler von Archangelsk“ und „Die Glocken von Becetre“. Sie sind in zeitlicher Folge in der NDR-Mediathek zu hören.

Den Anfang macht Janine Lüttmann mit „Die Phantome des Hutmachers“. Sie wagte sich an diesen Grusel-Klassiker mit einem, durch nebelverhangene Gassen schleichenden Würger. „Ich kannte den Roman und hab’ mich sehr gefreut, dass ich diesen tollen Krimi umsetzen konnte“, berichtet die Oldenburgerin unserer Zeitung. „Zunächst habe ich aus dem Roman eine Hörspielvorlage gemacht. Die Herausforderung bestand darin, dass der Krimi sehr lange Erzählparts und nicht so viele Dialoge hatte. Und außerdem, wie bei vielen Simenons, einen Schwerpunkt auf die Gedankenwelt des Hutmachers legt. Da habe ich behutsam Dialoge dazu geschrieben und sie mit einem Wechselspiel aus Erzähler und innerer Stimme kombiniert.“ Im Hörspiel ist Burghart Klausner Erzähler.

Da die Stimmung des Romans so außergewöhnlich ist, war es Lüttmann ganz wichtig, diese durch Geräusche und Musik einzufangen. „Die Geräusche habe ich teils in Oldenburg und teils in La Rochelle aufgenommen. Ich bin dazu nach Frankreich gereist und habe Aufnahmen in den engen, historischen Gassen der Stadt gemacht. Und am Hafen, wo der Hutmacher Essen geht“, erzählt sie.

Und dann hatte sie auch das Wetter auf ihrer Seite: „Ich hatte eine Woche Zeit und gehofft, dass es regnen würde, da es im Stück wochenlang regnet. Nach vier Tagen hat es endlich wie aus Eimern gegossen, und ich bin mit meinem Aufnahme gerät durch die Stadt gezogen. Das war toll.“ Und nun klingt es so, wie es Simenon beschrieben hatte.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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