Berlin Ein Fieber grassiert. Fast jeder spricht derzeit darüber. Bei den Filmfestspielen in Berlin erzählen sogar Stars wie Charlotte Rampling, dass sie sich auf den Kinostart des Sado-Maso-Werks freuen. Nun ist es so weit, der erste Teil der erfolgreichen Romantrilogie „Fifty Shades of Grey“ kommt in die Kinos. Wie der Film ist? Kurz gesagt: fürchterlich kitschig.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Anastasia Steele, Studentin der englischen Literatur, lernt den erfolgreichen Geschäftsmann Christian Grey bei einem Interview für die Uni-Zeitung kennen. Sie kommen sich näher, und die sexuell völlig unerfahrene Anastasia hat mit Christian den wohl einfühlsamsten ersten Sex, den sich eine junge Frau wünschen kann. Doch Grey will mehr: Romantik, Nähe, Kuscheln, das ist nichts für ihn. Er steht auf Sado-Maso-Spiele mit Gehorsam, Fesseln und Peitschen.

Mit der Besetzung der Anastasia gelang der britischen Regisseurin Sam Taylor-Johnson ein Glücksgriff. Dakota Johnson, Tochter der Hollywoodstars Melanie Griffith und Don Johnson, verkörpert perfekt das unbedarfte Mädchen. Große Augen, Pferdeschwanz, sinnliche Lippen. Und die haben bei „Fifty Shades of Grey“ einiges zu tun: Ana, wie sie genannt wird, beißt sich immer wieder verlegen auf die Lippen, streicht mit der Zunge darüber oder knabbert verträumt-lasziv an einem Bleistift von Mr. Grey.

Wie man ahnen kann, lebt der Film von schmachtenden Blicken und kleinen Berührungen. Es gibt zwar die eine und auch die andere Sexszene. Doch bis auf nackte Hintern und Busen sieht man nichts. Die Zwei sprechen zwar immer wieder über mögliche Spielarten des Sado-Maso. Einmal darf Grey Ana auch mit seiner Krawatte fesseln, beim nächsten Mal verbindet er ihr die Augen. Doch erst nach langen eineinhalb Stunden landen sie endlich in Greys Spielzimmer voller SM-Ausstattung. Doch auch da passiert wenig.

Wer zarte Andeutungen und das Versprechen auf ein Happy-End mit der großen Liebe des Lebens mag, wird das bei „Fifty Shades of Grey“ finden. Doch wem das allein nicht genügt, wird lange zwei Stunden ungläubig im Kinosessel sitzen und sich fragen, was da reizvoll sein soll.

Sicher gibt es erotische Vorspiele, doch so richtig knistert es zwischen Dakota Johnson und Grey-Darsteller Jamie Dornan nicht. Und über die Spielarten des Sado-Maso sprechen die beiden mehr, als sie praktisch umzusetzen. Es bleibt bei vielen keuschen Andeutungen, die eine Jugendfreigabe ab 16 Jahren ermöglichen.

Sado-Maso wirkt bei all dem eher wie ein großes Versprechen, um ein größeres Publikum anzuziehen. SM wird zum Symbol einer klaren Rollenverteilung der Geschlechter, wo sie Kontrolle und Verantwortung an ihn abgibt, sich fallen lässt und sich geborgen fühlt.

Beim Film nahm die Autorin E. L. James wohl einigen Einfluss. Möglicherweise hätte Taylor-Johnson ohne diese Einflüsse von außen einen ganz anderen Film geschaffen. So aber bleibt vor allem eines: Ernüchterung.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.